{"id":11447,"date":"2025-10-16T16:42:56","date_gmt":"2025-10-16T16:42:56","guid":{"rendered":"https:\/\/assetphysics.com\/?p=11447"},"modified":"2025-10-16T16:42:56","modified_gmt":"2025-10-16T16:42:56","slug":"umgang-mit-dem-neuen-cva-risiko-unter-der-crr-iii-zwischen-aufsichtszweck-und-aufwandstreiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/assetphysics.com\/de\/umgang-mit-dem-neuen-cva-risiko-unter-der-crr-iii-zwischen-aufsichtszweck-und-aufwandstreiber\/","title":{"rendered":"Umgang mit dem \u201eneuen\u201c CVA-Risiko unter der CRR III: Zwischen Aufsichtszweck und Aufwandstreiber"},"content":{"rendered":"\n\t<section class=\"snk-section snk-section_noPadding\">\n\t\t<div class=\"container container-xs\">\n\t\t\t<div class=\"snk-media snk-media_image\">\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" data-src=\"https:\/\/assetphysics.com\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Reporting_Completed_Title-scaled.png\" alt=\"\" title=\"Reporting_Completed_Title\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" class=\"lazyload\" style=\"--smush-placeholder-width: 2560px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 2560\/839;\" \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t<\/section>\n\t\n\n\n\t<section class=\"snk-section snk-section_xs\" >\n\t\t<div class=\"container container-xs\">\n\n\t\t\t\n\n\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"row snk-textColumns\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>          <\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Mit der Umsetzung der CRR III zum 1. Januar 2025 r\u00fcckt das Credit Valuation Adjustment (CVA)-Risiko st\u00e4rker in den Fokus der Bankenaufsicht. F\u00fcr Kapitalverwaltungsgesellschaften, die Spezial-AIFs managen und dabei Derivate einsetzen, entsteht daraus eine gesonderte Herausforderung. Sie m\u00fcssen f\u00fcr CRR-Investoren nicht nur CVA-relevante Daten bereitstellen, sondern zunehmend auch selbst CVA-Risiken berechnen \u2013 selbst dann, wenn die Derivate nicht direkt im Fonds, sondern auf Beteiligungsebene gehalten werden oder nur Absicherungszwecken dienen.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>1.\tNeue Anforderungen an die CVA-Berechnung unter der CRR III<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Das CVA-Risiko (Credit Valuation Adjustment) beschreibt das Risiko, dass sich der Marktwert eines Derivats aufgrund der Bonit\u00e4tsver\u00e4nderung des Kontrahenten ver\u00e4ndert. Es handelt sich um eine Anpassung des Bewertungsansatzes, die die potenziellen Verluste aus einem m\u00f6glichen Ausfall des Kontrahenten ber\u00fccksichtigt. Historisch wurde das CVA-Risiko erstmals mit der CRR I (Capital Requirements Regulation) im Jahr 2013 als eigenst\u00e4ndige Risikoposition eingef\u00fchrt. Die CRR II brachte 2019 eine erste Weiterentwicklung, insbesondere durch die Einf\u00fchrung des SA-CCR f\u00fcr die Berechnung der Kontrahentenrisiken. Mit der CRR III wird das CVA-Risiko nun deutlich detaillierter und differenzierter betrachtet, insbesondere durch die Einf\u00fchrung des BA-CVA und SA-CVA sowie die Trennung in systematisches und idiosynkratisches Risiko.<\/p>\n<p>Das Systematisches CVA-Risiko bezieht sich auf marktweite Ver\u00e4nderungen der Kredit-Spreads, etwa durch makro\u00f6konomische Schocks. Es betrifft alle Kontrahenten gleichzeitig und ist schwer zu diversifizieren. Das Idiosynkratisches CVA-Risiko hingegen betrifft individuelle Bonit\u00e4tsver\u00e4nderungen einzelner Kontrahenten, z.\u202fB. durch Ratingmigrationen oder unternehmensspezifische Ereignisse. Beide Komponenten m\u00fcssen separat bewertet und \u2013 sofern m\u00f6glich \u2013 durch geeignete Hedging-Ma\u00dfnahmen reduziert werden. F\u00fcr die KVG bedeutet das, dass sie nicht nur Transaktionsdaten, sondern auch kontrahentenspezifische Risikoparameter liefern und eigenst\u00e4ndig CVA-Berechnungen durchf\u00fchren muss \u2013 auch bei indirekten Derivatepositionen auf Ebene von Zweckgesellschaften oder Beteiligungen.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>2.\tMeldepflichten bez\u00fcglich des CVA-Risikos<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Die Datenbereitstellung durch die KVG erfolgt in der Regel \u00fcber Vorlagen von WM-Datenservice, die speziell f\u00fcr Fondsstrukturen angepasst wurden.<\/p>\n<p>In spezielleren F\u00e4llen wird allerdings auch auf selbstgestaltete Datenformate zur\u00fcckgegriffen, z.\u202fB. einem gesonderten CVA-Bericht, welcher \u00fcber die Ergebnisse der Berechnung hinaus, auch die Parameter zur Herleitung beinhaltet. So kann die erfolgte Berechnung durch die KVG transparent nachvollzogen werden.<\/p>\n<p>Die KVG wird damit zum zentralen Datenlieferanten und Recheninstanz f\u00fcr die aufsichtsrechtliche CVA-Ermittlung des Investors \u2013 ohne selbst CRR-pflichtig zu sein. Leider sieht das entsprechende Vorlage von WM-Datenservices noch keine Meldung des idiosynkratischen und systematischen CVA-Risikos vor. An dieser Stelle m\u00fcssen Sie die KVGen (stand jetzt) selbst behelfen und die Daten auf einem individuellen Weg transportieren.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>3.\tAbsicherung oder Spekulation? Derivate im Spannungsfeld der CVA-Regulierung<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Derivate k\u00f6nnen in Investmentfonds grunds\u00e4tzlich zwei unterschiedliche Funktionen erf\u00fcllen. Zum einen zu Absicherungszwecken (Hedging) und zum anderen im spekulativen Einsatz (in sog. Trading oder Alpha-Strategien). Zu Absicherungszwecken dienen Derivate der Risikoreduktion. Typische Beispiele sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Zinsswaps zur Absicherung langfristiger Finanzierungen;<\/li>\n<li>W\u00e4hrungsforwards zur Sicherung von Fremdw\u00e4hrungsrisiken bei internationalen Beteiligungen;<\/li>\n<li>Inflationsswaps zur Stabilisierung von Cashflows bei Infrastrukturprojekten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Gesch\u00e4fte sind meist langfristig, bilateral und konservativ strukturiert. Sie verfolgen keinen Performancezweck, sondern sollen Risiken aus dem Grundgesch\u00e4ft neutralisieren. Insbesondere in Spezialfonds mit Real Assets werden Derivate zu Absicherungszwecken gehalten. Spekulativ werden Derivate genutzt, um gezielt Marktchancen zu nutzen oder Renditebeitr\u00e4ge zu generieren. Beispiele w\u00e4ren hier:<\/p>\n<ul>\n<li>Derivate auf Zinskurven oder Credit Spreads ohne zugrunde liegendes Exposure;<\/li>\n<li>Derivate zur Hebelung von Positionen;<\/li>\n<li>Strategien mit hoher Umschlagsh\u00e4ufigkeit oder komplexen Strukturen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Nutzung ist mit einem h\u00f6heren Risiko verbunden und kann zu signifikanten Markt- und Kontrahentenrisiken f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die CRR III unterscheidet nicht explizit zwischen Absicherungs- und spekulativen Derivaten bei der Anwendung der CVA-Anforderungen. Beide Nutzungsarten unterliegen denselben Berechnungs- und Meldepflichten \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob das Derivat zur Risikoreduktion oder zur Renditesteigerung eingesetzt wird. Das f\u00fchrt zu einem Regelungsparadoxon:<\/p>\n<p>Ein konservativer Spezialfonds mit einem einzigen Zinsswap zur Absicherung muss dieselben CVA-Daten liefern wie ein Fonds mit aktiver Derivate-Handelsstrategie \u2013 obwohl das Risikoprofil v\u00f6llig unterschiedlich ist.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>4.\tAufsichtszweck vs. operativer Aufwand<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Die Zielsetzung der Aufsicht ist nachvollziehbar. CVA-Risiken sollen realistisch und risikosensitiv abgebildet werden. Gerade in Stressphasen k\u00f6nnen Spread-\u00c4nderungen erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung von Derivaten haben. Die neue Methodik erh\u00f6ht die Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen Instituten. F\u00fcr die KVG bedeutet das jedoch vor allem 3 Mankos<\/p>\n<ul>\n<li>Technischer Mehraufwand: Derivatebuchhaltung muss um Risikodaten erg\u00e4nzt werden;<\/li>\n<li>Organisatorische Komplexit\u00e4t: Abstimmung mit Verwahrstellen, Datenlieferanten und Investoren;<\/li>\n<li>Regulatorische N\u00e4he: Obwohl nicht selbst CRR-pflichtig, wird die KVG Teil der aufsichtsrechtlichen Infrastruktur, die auch gepr\u00fcft werden kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insbesondere bei Real-Asset-Fonds mit wenigen, konservativen Derivaten erscheint der Aufwand unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Die Daten sind oft nicht standardisiert verf\u00fcgbar, und die Modellierungsm\u00f6glichkeiten auf Fondsebene begrenzt.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>5.\tFazit: Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit wahren<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Die neue CVA-Systematik unter CRR III ist aus Sicht der Finanzstabilit\u00e4t sinnvoll. Sie verfolgt das Ziel eine risikosensitive und transparente Abbildung von Kontrahentenrisiken im Derivategesch\u00e4ft. F\u00fcr systemrelevante Institute mit umfangreichen Handelsb\u00fcchern ist das ein sinnvoller Schritt. F\u00fcr KVGen mit Spezial-AIFs stellt sie jedoch eine erhebliche operative Belastung dar \u2013 ohne dass der tats\u00e4chliche Risikoerkenntnisgewinn immer im Verh\u00e4ltnis steht. Eine\u00a0differenzierte regulatorische Behandlung\u00a0w\u00e4re insofern sachgerecht und w\u00fcrde dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit besser entsprechen. M\u00f6gliche Ans\u00e4tze w\u00e4ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Erleichterungen oder Ausnahmen\u00a0f\u00fcr klar dokumentierte Hedging-Derivate;<\/li>\n<li>Pauschale CVA-Risikogewichte\u00a0f\u00fcr standardisierte Absicherungsgesch\u00e4fte;<\/li>\n<li>Eine nachweisbasierte Differenzierung, z.\u202fB. durch Hedging-Dokumentation oder Positionsabgleich mit Grundgesch\u00e4ft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Anderenfalls k\u00f6nnten solche Regulierungen daf\u00fcr Sorge tragen, dass eigentlich sinnvolle Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Anlagen, in Anbetracht des damit verbundenen Aufwandes sinnlos werden.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/section>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Umsetzung der CRR III zum 1. Januar 2025 r\u00fcckt das Credit Valuation Adjustment (CVA)-Risiko st\u00e4rker in den Fokus der Bankenaufsicht. 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