{"id":9409,"date":"2025-09-04T11:04:28","date_gmt":"2025-09-04T11:04:28","guid":{"rendered":"https:\/\/assetphysics.com\/?p=9409"},"modified":"2025-09-05T08:17:11","modified_gmt":"2025-09-05T08:17:11","slug":"kapitalmarktperspektiven-eine-party-kann-nicht-ewig-dauern-wenn-die-stuetzen-des-ballsaales-entfernt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/assetphysics.com\/de\/kapitalmarktperspektiven-eine-party-kann-nicht-ewig-dauern-wenn-die-stuetzen-des-ballsaales-entfernt-werden\/","title":{"rendered":"Kapitalmarkt-Perspektiven: Eine Party kann nicht ewig dauern, wenn die St\u00fctzen des Ballsaales entfernt werden."},"content":{"rendered":"\n\t<section class=\"snk-section snk-section_xs\" >\n\t\t<div class=\"container container-xs\">\n\n\t\t\t\n\n\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"row snk-textColumns\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>Die aktuelle US-Administration schleift bisher tragende S\u00e4ulen des Wirtschaftssystems und des Wohlstands. Aktienm\u00e4rkte konzentrieren sich aktuell eher auf die positiven News. Allerdings schaffen die derzeitigen Ma\u00dfnahmen ein Umfeld, das langfristig die Risiken f\u00fcr Kapitalm\u00e4rkte erh\u00f6ht.<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Die neue US-Administration hat gerade mal 15 Prozent ihrer Amtszeit hinter sich gebracht, aber schon jetzt erinnern die Wirtschafts- und Au\u00dfenpolitik der USA mehr an das Weltmachtgebaren der britischen Krone im 19. Jahrhundert als an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der die USA ein Wirtschaftssystem und eine neue Weltordnung aufbauten, um eine Wiederholung der verh\u00e4ngnisvollen Fehlentwicklungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zu verhindern.<\/p>\n<p>Zentrale Weisheiten der Nachkriegszeit, die Washington derzeit in Frage stellt: Internationale Kooperation und Heben von komparativen St\u00e4rken sind von Vorteil f\u00fcr das Wirtschaftswachstum in allen L\u00e4ndern, Z\u00f6lle verhindern die effiziente Allokation von Produktionsfaktoren und wirken deshalb inflation\u00e4r, eine unabh\u00e4ngige Notenbank, die die Inflationserwartungen im Zaum h\u00e4lt, ist ein hohes Gut und von daher respektvoll zu behandeln, der US-Dollar muss sich seine Rolle als Weltreservew\u00e4hrung immer wieder verdienen, internationale Kooperation ist wichtig.<\/p>\n<p>Viele dieser \u00fcber die vergangenen Wirtschaftskrisen best\u00e4tigten Erkenntnisse sind von den USA in dem letzten halben Jahr ignoriert worden. Von internationaler Kooperation h\u00e4lt der neue Chef im Wei\u00dfen Haus wenig: Er sagt an \u2013 und wenn jemand wagt zu widersprechen, wird er mit zus\u00e4tzlichen Drohungen \u00fcbersch\u00fcttet. Z\u00f6lle wurden verh\u00e4ngt, die jetzigen bringen den Durchschnittszollsatz der USA in Regionen, die seit den 30er Jahren nach der gro\u00dfen Depression nicht mehr gesehen waren. Jerome Powell, der standhafte Chef der FED, wird von Trump und seinen Mitstreitern in der \u00d6ffentlichkeit demontiert, wo es nur geht. Mitglieder des FED-Boards, die seine Meinung nicht teilen, sind ebenfalls im Visier. Der US-Dollar soll nach Vorstellung des wirtschaftlichen Teams des Pr\u00e4sidenten abgewertet werden. Wer es aber wagen w\u00fcrde, seine Einzigartigkeit als Reservew\u00e4hrung und damit die Finanzierung des \u201eTwin Deficits\u201c der USA in Frage zu stellen, dem drohen drakonische Handelssanktionen.<\/p>\n<p>Allerdings wirken die Kapitalm\u00e4rkte bislang eher unger\u00fchrt. Nach einem kurzen Einbruch Anfang April zeigten gerade die Aktienm\u00e4rkte eine positive Performance. Warum ist das so und kann das langfristig so bleiben?<\/p>\n<p>Die Antwort muss starten mit der Basis, die f\u00fcr politische Faktoren, Kriege und Krisen gleicherma\u00dfen gilt: Kapitalm\u00e4rkte haben eine einzige Aufgabe und die ist, Preise verschiedener Assets zu bestimmen, sie nehmen keine moralische oder weltanschauliche Funktion wahr. M\u00e4rkte stellen also die Frage, welche politischen Ma\u00dfnahmen der neuen Administration haben welche Implikationen f\u00fcr den Preis von welchen Wertpapieren? Hier l\u00e4sst sich zeigen, dass es eine Kombination von Faktoren gibt, die in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung wenig thematisiert werden, aber momentan positiv wirken. Allerdings sind die negativen Faktoren evident und werden durch eine erratische Politik der Administration sogar noch weiter gen\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Fangen wir mit den positiven Ma\u00dfnahmen an, \u00fcber die wenig berichtet wird, die von den Kapitalm\u00e4rkten aber sehr wohl registriert werden. Es geht um die gro\u00dfe und meiner Ansicht nach immer wieder untersch\u00e4tzten Wirkungsweise des Weckens der \u201eAnimal Spirits\u201c, der Deregulierung, der Ermunterung der unternehmerischen Aktivit\u00e4t. Schon in der ersten Amtszeit von Donald Trump hat sich gezeigt, dass derartige positiven Ma\u00dfnahmen auf die Wirtschaft untersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Daneben gibt es \u201etechnische\u201c Effekte, auch als Folge von taktischen Entscheidungen, die derzeit positiv auf die M\u00e4rkte, aber auch auf das Wirtschaftsbild wirken. Die Einf\u00fchrung der Z\u00f6lle wurde mehrfach verz\u00f6gert. Das hatte \u00f6konomische und Stimmungsauswirkungen. \u00d6konomisch kam es zun\u00e4chst zu wachstumserh\u00f6henden Wirkungen und Verschiebung der Preiseffekte nach hinten. Zuerst wurden die K\u00e4ufe von billigen Produkten, sprich ohne zus\u00e4tzliche Z\u00f6lle, vorgezogen und die Lager im ersten Quartal aufgestockt, dann wurde der gegenl\u00e4ufige Effekt im zweiten Quartal vermindert, weil die Z\u00f6lle tempor\u00e4r ausgesetzt wurden. Preiserh\u00f6hungen gab es wenige, weil die h\u00f6heren reziproken Z\u00f6lle bereits kurz nach dem titulierten \u201eLiberation Day\u201c, f\u00fcr die meisten L\u00e4nder f\u00fcr 90 Tage ausgesetzt wurden und \u201enur\u201c der Basiszoll von zehn Prozent galt. Danach folgte eine weitere Verschiebung bis Anfang August. Unternehmen d\u00fcrften mit Preiserh\u00f6hungen auf die finale H\u00f6he der Z\u00f6lle gewartet haben.<\/p>\n<p>Noch wichtiger waren aber die Stimmungseffekte. Als die US-Administration die erste Zollpause verk\u00fcndete, interpretierten die M\u00e4rkte einen \u201eTrump-Put\u201c, das hei\u00dft, falls die M\u00e4rkte durch Politikma\u00dfnehmen zu sehr geschockt w\u00fcrden, w\u00fcrde die mit vielen Milliard\u00e4ren und ehemaligen Kapitalmarktprofis angereicherte Administration<br \/>\ndarauf reagieren und den M\u00e4rkten schon das geben, was sie br\u00e4uchten.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-buttons snk-buttons_bigGap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"snk-btn-primary\" href=\"https:\/\/www.meag.com\/de\/investieren\/institutionelle-kunden\/medien\/2509_Mind-the-Market_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span>Download PDF<\/span><\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/section>\n\n\n\n\t<section class=\"snk-section snk-section_xs\" >\n\t\t<div class=\"container container-xs\">\n\n\t\t\t\n\n\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"row snk-textColumns\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>Sch\u00f6ne Neue Welt?<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Schreibt jetzt die US-Administration die Wirtschaftsgeschichte neu oder werden die Schattenseiten dieser Politik l\u00e4ngerfristig nicht zu verbergen sein und Wirtschaft und M\u00e4rkte negativ beeinflussen?<\/p>\n<p>Fangen wir mit den Z\u00f6llen an. Nun hatte der Pr\u00e4sident sogar \u00fcber Truth Social de facto die Entlassung eines der renommiertesten Volkswirte der Wall Street gefordert, weil der gewagt hatte, zu behaupten, Z\u00f6lle w\u00fcrden inflation\u00e4r wirken und auch der als tempor\u00e4rer Ersatz f\u00fcr das zur\u00fcckgetretene FED-Board-Mitglied Adriana Kugler nominierte Stephen Miran zweifelte dies an.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte der Volkswirt auf die Literatur verweisen, aber das f\u00fchrte zu weit. Zur Verdeutlichung des Arguments machen wir es uns ganz einfach. Nehmen wir als Beispiel einen europ\u00e4ischen Autohersteller, der ein Auto im Wert von 40.000 US-Dollar produziert. Wenn er das in die USA exportiert, muss er bald 15 Prozent Zoll entrichten, also 6.000 US-Dollar an den amerikanischen Staat bezahlen. Jetzt gibt es drei M\u00f6glichkeiten, wie er diesen Zoll auffangen kann:<\/p>\n<p>Erstens, er kann durch technischen Fortschritt oder sonstige Sparma\u00dfnahmen sofort 15 Prozent billiger produzieren und ist mit der bisherigen Gewinnmarge zufrieden. Produktivit\u00e4tszuw\u00e4chse von 15 Prozent in einem Jahr sind aber eher unwahrscheinlich. Zweitens, er kann einfach die Preise unver\u00e4ndert lassen, dann gehen die 6.000 US-Dollar zu Lasten seiner Gewinne und nachdem wenige Unternehmen eine Marge von 15 Prozent haben, bringt ihm das vielleicht sogar Verluste. Oder er macht einen Preisaufschlag von 6.000 US-Dollar auf den Preis des Autos und setzt damit einen massiven Inflationsimpuls. In der Realit\u00e4t wird es eine Kombination von all diesen Faktoren sein, aber, auch wenn der Preis des Autos nur um 2.000 bis 3.000 US-Dollar erh\u00f6ht wird, ist das in den USA inflation\u00e4r. Das gilt f\u00fcr mein kleines Beispiel, das gilt aber auch f\u00fcr die Gesamtwirtschaft. Ob dieser Inflationsimpuls sofort, verz\u00f6gert oder in mehreren Schritten gesetzt wird, ist irrelevant, inflation\u00e4re Wirkungen gehen davon auf alle F\u00e4lle aus.<\/p>\n<p>Damit, allen Ausfl\u00fcchten zum Trotz, werden die Z\u00f6lle in den USA wie eine Verbrauchssteuer wirken und sind somit inflation\u00e4r. Das kann sich \u00fcber viele Monate hinziehen, aber es w\u00e4re leichtfertig, zu unterstellen, dass hier keine Impulse kommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Wachstum gilt: Unsicherheit bremst Investitionen und Handel. Erst seit Anfang August kennen die meisten L\u00e4nder den f\u00fcr sie \u201eendg\u00fcltigen\u201c Zollsatz, wobei man mit dieser Aussage bei der erratischen Natur der derzeitigen Exekutive in den USA vorsichtig sein muss. Dass sich ein Teil der Handelsunsicherheit jetzt aufl\u00f6st, ist positiv, aber angesichts der oftmaligen Kurskorrekturen der US-Administration nichts, worauf Unternehmenslenker langfristig bauen k\u00f6nnen, zumal auch noch mehr sektorspezifische Z\u00f6lle angedroht sind. Die wirtschaftliche \u00d6ffnung der Welt brachte allen Beteiligten Wohlstandsvorteile, auch den USA, weil alle von der internationalen Arbeitsteilung profitierten. Diese Gewissheit ist nicht nur ersch\u00fcttert, sondern auch die bereits angesto\u00dfene Fragmentierung der Weltwirtschaft wird zus\u00e4tzlich gen\u00e4hrt. Relativ gesehen geringeres Wachstum und geringere Produktivit\u00e4t sind keine positiven Faktoren f\u00fcr die Aktienm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Dann das Gerangel um die Unabh\u00e4ngigkeit der FED. Es ist kein amerikanisches Ph\u00e4nomen, dass in Zeiten stark wachsender Zinslasten f\u00fcr den Gesamthaushalt eine an Stabilit\u00e4tsgrunds\u00e4tzen orientierte Geldpolitik herausgefordert wird. FED-Pr\u00e4sident Powell, aber auch andere FED-Gouverneure, die sich aus Ihrer Einsch\u00e4tzung der wirtschaftlichen Lage Trumps Wunsch nach sehr starken, schnellen Zinssenkungen widersetzen, stehen nun unter Druck. M\u00e4rkte finden zun\u00e4chst die Aussichten auf schnelle, niedrigere, kurzfristige Zinsen an sich nicht schlecht. Mittel- und l\u00e4ngerfristig ist es aber viel wichtiger, ob die Inflationserwartungen auf niedrigem Niveau verankert bleiben.<\/p>\n<p>Ein Paradox ist: Solange Powell die FED navigiert, hat er auch die Inflationserwartungen im Griff, allen \u00f6ffentlichen Anfeindungen der derzeitigen Administration zum Trotz. Aber zu glauben, dass man die Institution nach Belieben besch\u00e4digen kann, dass man Mitglieder des FED-Boards nach Gef\u00e4lligkeit behandeln oder sogar ausw\u00e4hlen kann und dann an den M\u00e4rkten dieselbe Konfidenz in die Notenbank erhalten kann wie zuvor, das d\u00fcrfte sich nach meiner \u00dcberzeugung als Irrtum herausstellen. Man denke nur daran, wie vor einigen Jahren die \u201eWirtschaftstheorie\u201c des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan, f\u00fcr niedrige Inflation br\u00e4uchte man niedrige Zinsen, ins Auge gegangen ist. Sich \u201eent-ankernde\u201c Inflationserwartungen waren noch nie ein positiver Faktor, weder f\u00fcr Renten- noch f\u00fcr Aktienm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Bleibt das bereits angesprochene, zuletzt hochgehandelte Argument vom \u201eTrump-Put\u201c an den M\u00e4rkten. Letztendlich ist der Pr\u00e4sident wie erw\u00e4hnt auch von Milliard\u00e4ren umgeben, von denen einige ihr Verm\u00f6gen an den Finanzm\u00e4rkten gemacht haben \u2013 Free-Lunch und nicht wenige am Markt sind auf diesem Trip. Ich kann das nicht teilen.<\/p>\n<p>Technisch gesehen hat der amerikanische Pr\u00e4sident noch 16 Monate, bevor er bei den Midterms die Mehrheit, zumindest in einem der beiden H\u00e4user des Kongresses, verlieren und das derzeitige praktisch unkontrollierte Vorgehen eingeschr\u00e4nkt werden k\u00f6nnte \u2013 er kann damit nicht agieren wie ein Alan Greenspan, der den \u201eFED-Put\u201c in einer Amtszeit von 19 Jahren etablierte.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/section>\n\n\n\n\t<section class=\"snk-section snk-section_xs\" >\n\t\t<div class=\"container container-xs\">\n\n\t\t\t\n\n\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"row snk-textColumns\">\n\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"col col-12 snk-textColumn\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-textBlock\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h3>Was bedeutet das f\u00fcr die M\u00e4rkte?<\/h3>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Zum ersten sind die \u00f6konomischen Entscheidungen der aktuellen US-Administration unkalkulierbar geworden. Sicher ist, dass sie nicht das wirtschaftliche Wohlergehen anderer Nationen hoch werten und dass Schw\u00e4che in Verhandlungen sogar mit zus\u00e4tzlichem Druck \u201ebelohnt\u201c wird \u2013 eine Lektion, die vor allem Europa noch lernen muss.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass US-Assets momentan besser dastehen als andere, dass Europa durch das Einknicken der EU in den Handelsverhandlungen in der Futterkette nach hinten durchgereicht wurde und dass die Fragmentierung der Weltwirtschaft weitergehen wird, denn Indien, China oder Brasilien scheinen nicht bereit, so klein beizugeben, wie die Europ\u00e4er es getan haben.<\/p>\n<p>Rentenm\u00e4rkte insgesamt stehen vor einer herausfordernden Zeit. In den USA sind die Ans\u00e4tze zum staatlichen Sparen praktisch zum Erliegen gekommen. Die beiden Leitfiguren daf\u00fcr haben die Konsequenz gezogen: Elon Musk k\u00fcmmert sich wieder um seine Unternehmen, Vivek Ramaswamy will jetzt lieber Senator f\u00fcr Ohio werden. Z\u00f6lle als Einnahmeerzielungstool sind die eine Variante, Haushaltsdefiziten zu begegnen, Financial Repression, zum Beispiel der Druck auf die FED zu schnellen Zinssenkungen, der andere Weg, die Schuldenlast ertr\u00e4glich zu machen. Auch in Europa gibt es keine Versuche, die Defizite einzufangen: Verpflichtungen, l\u00e4ngerfristig bis zu f\u00fcnf Prozent des BIP f\u00fcr Verteidigung auszugeben und angek\u00fcndigte Infrastrukturinvestitionen signalisieren, dass hier wie weltweit das Emissionsvolumen an Staatspapieren steigen sollte. Eine weitere Versteilerung der Renditestrukturkurven in den meisten westlichen Industriel\u00e4ndern d\u00fcrfte die Konsequenz aus h\u00f6heren Defiziten und dem Untergraben des Standings der Notenbanken sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Aktienm\u00e4rkte sollte langfristig gelten: Der Ersatz der \u201eRule of Law\u201c durch das Recht des St\u00e4rkeren mag zwar einige Unternehmen beg\u00fcnstigen, aber im Durchschnitt aller Unternehmen, die den Markt repr\u00e4sentieren, so meine Prognose, werden alle schlechter fahren als in einer an globaler Effizienz orientierten Welt. Hinzu kommt, dass die Suche nach Einnahmen weitergeht. Dass selbst Unternehmensgewinne nicht sicher sein k\u00f6nnen, zeigt der \u201eDeal\u201c, den die US-Ad-ministration mit NVIDIA und AMD geschlossen hat, die sich f\u00fcr die Genehmigung von bestimmten Chip-Verk\u00e4ufen an China \u201efreiwillig\u201c dazu verpflichten mussten, 15 Prozent der Einnahmen aus diesen Verk\u00e4ufen an den US-Staat abzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit f\u00fcr den Anleger: Es gibt keinen kurzfristigen Trigger, wann der Markt auf diese politischen Erdbeben reagiert. Die falschen langfristigen Weichenstellungen m\u00fcssen nicht notwendigerweise in den kurzfristigen Bewegungen reflektiert werden, zumal wie ausgef\u00fchrt, manche Dinge kurzfristig auch positiv wirken. Zudem bestraft die Benchmarkisierung der Industrie jeden, der langfristige Trends zu fr\u00fch einpreist. Aber ich bin \u00fcberzeugt: Eine Party kann nicht ewig dauern, wenn die St\u00fctzen des Ballsaales entfernt werden.<\/p>\n<p>Dazu kommt die chaotische Situation in der Geopolitik, wie die orwellianische Sprachakrobatik. Mitarbeiter einer Administration, die gerade noch den Iran bombardiert hat und \u00fcber Gebietsabtretungen der Ukraine mit Russland ohne die Ukraine verhandelt, rufen den Pr\u00e4sidenten als Kandidaten f\u00fcr den Friedensnobelpreis (und nach Peter Navarro verdient er auch den Wirtschaftsnobelpreis) aus.<\/p>\n<p>Wenn sich Dominanz und Realit\u00e4tsverlust paaren und das im wichtigsten Land der demokratischen Welt, spricht vieles daf\u00fcr, die eigene Risikotoleranz zu hinterfragen und im Zweifel, wenn Absicherung im Preis akzeptabel erscheint, einen Teil des erwarteten Gesamt-Returns f\u00fcr die f\u00fcr eine Absicherung n\u00f6tigen Auslagen zu verwenden.<\/p>\n<p>In der momentanen Welt gibt es keine Garantien, dass die klassischen Korrelationen, die ja auf dem klassischen Verhalten der Akteure (Kooperation, unabh\u00e4ngige Notenbank etc.) gewachsen sind, weiter so gelten. Kapitalm\u00e4rkte befinden sich meiner Einsch\u00e4tzung nach derzeit in einer gef\u00e4hrlichen Verharmlosung der momentanen Situation. Zu denken, dass, wenn man lange genug die Augen vor der gef\u00e4hrlichen Situation verschlie\u00dft, der Schaden nie eintreten kann, scheint mir Wunschdenken und nicht umsichtige Anlagepolitik.<\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\n\t\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"snk-buttons snk-buttons_bigGap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a class=\"snk-btn-primary\" href=\"https:\/\/www.meag.com\/de\/investieren\/institutionelle-kunden\/medien\/2509_Mind-the-Market_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span>Download PDF<\/span><\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle US-Administration schleift bisher tragende S\u00e4ulen des Wirtschaftssystems und des Wohlstands. 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