<strong>ASSET</strong>PHYSICS AI Analyst hat für Dich die aktuellen Analysen zum europäischen und transatlantischen Private-Debt-Markt im Zeitraum 2025–2026 mit künstlicher Intelligenz ausgewertet und die entscheidenden Verschiebungen zwischen Corporate Direct Lending und Real-Asset-besichertem Kreditgeschäft herausgestellt:
Private Debt befindet sich seit März 2026 in einer Sortierungs- statt Expansionsphase. Anleger differenzieren deutlich stärker zwischen Corporate Direct Lending, das unter Bewertungsdruck steht, und real-asset-besichertem Kreditgeschäft in Immobilien- und Infrastruktur-Debt, das sich zur Kernanlage entwickelt. Parallel verschiebt sich das Vorgehen der Asset Manager: Statt primär Fondsanteile zu zeichnen, bauen institutionelle Investoren eigene Origination-Plattformen auf, um den strukturellen Bankenrückzug direkt in die eigene Bilanz zu holen.
Diese Verschiebung verändert das Profil der Anlageklasse grundlegend. Nicht mehr die homogene Story eines breit wachsenden Private-Credit-Marktes steht im Vordergrund, sondern die Qualität der Sicherheiten, die Struktur der Vehikel und der Grad an Kontrolle über die Kreditvergabe. Das Ergebnis ist ein selektiver, aber nicht notwendigerweise restriktiverer Markt, in dem Sponsorenqualität und Strukturierungskompetenz über den Kapitaleinsatz entscheiden.
Private-Debt-Stimmung 2026: Hohe Indizes, sinkende Wachstumsdynamik
Der BF.Private Debt Market Sentiment Index, der auf einer Befragung von rund 200 Fondsmanagern mit Schwerpunkt Europa basiert, lag im zweiten Halbjahr 2026 bei 59,7 Punkten und damit nur leicht unter den 60,1 Punkten des ersten Halbjahres und klar über der neutralen Marke von 50. Die Indikatoren signalisieren weiterhin positive Erwartungen, aber die Dynamik nimmt ab.
Ausschlaggebend ist die Entwicklung der Fundraising-Erwartungen. Der Anteil der Befragten, die steigende LP-Commitments sehen, sank von 64 auf 59 Prozent; die Erwartungen für die kommenden sechs Monate gaben von 71 auf 62 Prozent nach. Zugleich verschiebt sich die Fundraising-Basis: Re-ups bestehender Investoren dominieren mit Quoten von bis zu 87 Prozent im Corporate Direct Lending, 80 Prozent in Real Estate Debt und 78 Prozent in Infrastructure Debt. Frisches Kapital tritt dem Markt in geringerem Umfang bei, sodass die Entwicklung eher einer Konsolidierung als einer weiteren Expansion entspricht.
Transatlantischer Bruch: Vehikelstruktur als eigener Risikofaktor
Im ersten Quartal 2026 kam es in den USA zu Mittelabflüssen von rund 7,1 Mrd. US-Dollar aus acht großen Private-Credit-Fonds; mehrere Vehikel begrenzten Rücknahmen. In Europa blieb eine vergleichbare Welle aus. Diese Divergenz erklärt sich weniger über die Qualität der Kreditportfolios, sondern über die Eigentümerstruktur und die Bauart der Produkte.
US-Evergreen-Fonds verwalten inzwischen rund 644 Mrd. US-Dollar, hinzu kommen fast 200 Mrd. US-Dollar in börsennotierten Business Development Companies. Diese Vehikel adressieren eine breite Privatanlegerbasis, die in Stressphasen über Rückgaben und Sekundärmarktverkäufe reagiert. In Europa dominieren dagegen Versicherer und Pensionskassen, die ihre Allokationen über interne Risikobudgets steuern. Analysen von Häusern wie Wellington Management betonen, dass Schlagzeilen zu Rücknahmen und Kreditausfällen die Wahrnehmung von Private Credit zwar angekratzt haben, die langfristige Investmentthese jedoch nicht grundsätzlich infrage stellen. Die Struktur des Wrappers entwickelt sich damit zu einem eigenständigen Risikofaktor, der separat vom zugrunde liegenden Kreditrisiko betrachtet werden muss.
Real Estate Debt: Struktureller Case und Refinanzierungslücke
Die jüngsten Turbulenzen in Teilen des Private-Credit-Markts konzentrierten sich überwiegend auf das Corporate-Lending-Segment. Für Real Estate Debt zeichnen Analysen ein differenziertes Bild: Immobilienschulden werden durch werthaltige, bereits repricte Sicherheiten, inflationsgekoppelte Cashflows und eine geringe Korrelation zu Aktien gestützt. Dies untermauert die Sichtweise, dass nicht alle Private-Credit-Strategien gleich zu bewerten sind.
Auf der Zahlenebene stehen 2026 bis 2028 in Europa rund 617 Mrd. Euro an Gewerbeimmobilienkrediten zur Refinanzierung an. Etwa 74 Mrd. Euro, rund 12 Prozent dieses Volumens, gelten als potenziell von einer Refinanzierungslücke betroffen, mit einem Schwerpunkt auf Finanzierungen aus den Jahren 2016 bis 2021 und insbesondere in Frankreich und Deutschland. Regulatorische Anpassungen wie Basel IV und CRR III erhöhen die Kapitalanforderungen für höher gehebelte oder komplexere Engagements und lenken Banken in die engsten Prime-Segmente. Genau dort setzen alternative Kreditgeber an. Bislang halten Nichtbank-Kapitalgeber allerdings erst rund 1 Prozent des europäischen CRE-Kreditmarkts, verglichen mit etwa 14 Prozent in den USA – ein Hinweis auf eine strukturelle und nicht nur zyklische Lücke, die Real Estate Debt in den Fokus institutioneller Allokationen rückt.
Bankenrückzug und Rollentausch in der Kapitalstruktur
Im Dialog zwischen Banken und alternativen Kreditgebern ist ein Rollentausch zu beobachten. Auf Branchenformaten wie dem Real Asset Finance & Debt Summit wurde deutlich, dass Kreditfonds früher vor allem Mezzanine-Tranchen beisteuerten, heute jedoch zunehmend Whole Loans übernehmen, während Banken sich auf Senior-Tranchen fokussieren. Back-Leverage-Strukturen in internationalen Kreditfonds verstärken diesen Effekt und verschieben Teile des Hebels außerhalb der Bankbilanzen.
Marktkommentare aus Mitte 2026 zeichnen zudem das Bild eines selektiven, aber funktionierenden Finanzierungsumfelds. Fonds schließen gezielt Lücken, die Banken aus regulatorischen Gründen nicht mehr tragen können, ohne dass sich dies als klassischer Credit Crunch darstellt. Die Konsequenz ist ein stärker qualitätsgetriebener Markt: Sponsor-Track-Record, Asset-Qualität und Strukturierung entscheiden zunehmend über den Zugang zu Fremdkapital.
Insourcing von Debt-Origination durch Versicherer und Asset Manager
Seit März 2026 ist ein deutliches Muster institutioneller Anleger erkennbar: der Aufbau eigener Debt-Plattformen und Origination-Kapazitäten. Bei MEAG wurde mit Michael Kittle ein dedizierter Leiter für Infrastructure Debt installiert, um die eigene Origination im Infrastrukturbereich auszubauen. Parallel hat CapMan die Mehrheit an CAERUS Debt Investments übernommen und ein Büro in Paris eröffnet, um den europäischen Infrastruktur-Debt-Markt zu adressieren. Der von der Boston Consulting Group identifizierte Infrastrukturinvestitionsbedarf Europas bis 2040 von rund 12 Billionen Euro bildet dabei einen langfristigen Rahmen.
Die strategische Neuaufstellung spiegelt sich in konkreten Transaktionen wider. MEAG-Investoren, im Auftrag von Munich Re und Dritten, beteiligten sich im April 2026 mit 1,52 Mrd. Euro an der Lokomotiven-Leasing-Debt-Plattform von Akiem und arrangierten im August 2026 die Finanzierung des belgischen Glasfaseranbieters Wyre. Versicherer bauen damit gezielt eigene, langlaufende Kreditbücher auf, statt ausschließlich über Fondsvehikel zu diversifizieren. Die klassische Rolle als Limited Partner wird graduell durch die Rolle als direkter Kreditgeber ergänzt.
Kapitalstruktur-Innovation und NAV-Lending als Bindeglied
Auf der Ebene der Kapitalstruktur zeigt sich eine zunehmende Granularität der Risikoallokation. Eine Studie von Ocorian und Nordic Trustee unter europäischen Infrastruktur-Kreditgebern verdeutlicht die Präferenzen: 33 Prozent favorisieren non-recourse Projektfinanzierungen, 32 Prozent Mezzanine-Debt, während 62 Prozent Senior Debt mit Equity-Co-Investment als bevorzugtes Modell für Risk Sharing sehen. Zudem beobachten 76 Prozent einen wachsenden Einsatz hybrider Debt-Equity-Strukturen und 72 Prozent eine Zunahme von Preferred-Equity-Instrumenten.
Gleichzeitig etabliert sich NAV-Lending als Brücke zwischen Private Equity und Private Credit. Einschätzungen von Häusern wie AllianceBernstein verweisen auf ein erwartetes Wachstum des NAV-Lending-Volumens von derzeit rund 100 Mrd. auf 350 Mrd. US-Dollar bis 2030. Auffällig ist, dass Versicherer hier nicht nur als Investoren in entsprechende Fonds auftreten, sondern zunehmend selbst als Kreditgeber gegenüber Private-Equity-Portfolios. Zusammen mit dem Rekordvolumen von rund 233 bis 240 Mrd. US-Dollar im globalen Private-Markets-Secondaries-Markt im Jahr 2025 und Immobilien-Secondaries von etwa 20,3 Mrd. US-Dollar entsteht ein Bild stärker professionalisierter, aber nicht zwingend liquiderer Kapitalbindungen.
Retailisierung über ELTIF 2.0: Chancen und strukturelle Grenzen
Die Weiterentwicklung des ELTIF-Regimes treibt das Wachstum semi-liquider europäischer Private-Credit-Fonds voran, die inzwischen ein Volumen von über 20 Mrd. Euro verwalten und 2026 weiter zulegen dürften. Diese Vehikel öffnen Private Credit für weitere Anlegergruppen und kombinieren institutionelles und privates Kapital in gemeinsamen Strukturen.
Gleichzeitig warnen Kommentare von Autoren wie Tobias Moroni vor einer Überschätzung des regulatorischen Wrappers. Weder ersetzt die ELTIF-Hülle die Qualität der Assets noch jene des Managers. Periodische Rücknahmefenster erzeugen eine Wahrnehmung von Liquidität, die in der Praxis maßgeblich von Portfoliozusammensetzung, Governance und Marktphase abhängt. Für Asset Manager, die Kapital unterschiedlicher Investorengruppen in einem Vehikel bündeln, steigen die Anforderungen an Transparenz, Produktdesign und Liquiditätsmanagement, da die Rendite weiterhin aus den Basiswerten und nicht aus der Hülle stammt.
Ausblick: Prüfstein Refinanzierungswelle und dauerhafte Rolle von Real Asset Debt
Die Entwicklung von Private Debt verlagert sich weg von der Logik „mehr Kapital in eine homogene Anlageklasse" hin zu einer differenzierten Betrachtung nach Sicherheiten, Investorenbasis und Steuerung der Origination. Corporate Direct Lending steht dabei stärker unter Bewertungsdruck, während Real Estate und Infrastructure Debt strukturell profitieren und bei vielen Investoren den Status einer Kernanlage einnehmen.
Als zentrale Beobachtungspunkte gelten die nächste Ausgabe des BF.Private Debt Market Compass, die für Anfang 2027 erwartet wird, sowie die konkrete Ausprägung der Refinanzierungslücke bei Krediten mit Vintages 2016 bis 2021, insbesondere in Frankreich und Deutschland. Erst wenn diese Welle durch den Markt gelaufen ist, lässt sich belastbar beurteilen, ob Real Estate Debt seine aufgewertete Rolle behaupten kann oder in ähnlicher Weise unter Druck gerät wie Corporate Direct Lending seit Anfang 2026.




