Vorschläge zur Verbesserung der Anwendbarkeit des Climate Delegated Act
Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) und der Energy Efficient Mortgages Hub Netherlands (EEM NL Hub) fordern in einem gemeinsamen Weißbuch, die Regelungen mit Immobilienbezug im delegierten Rechtsakt zur EU-Taxonomie pragmatisch zu überarbeiten. Beide Organisationen befürworten die Beibehaltung des Klimaschutzes als Umweltziel, plädieren jedoch gleichzeitig für einen praxisorientierteren Abschnitt der EU-Taxonomie in Bezug auf die Kriterien für Baugewerbe und Immobilien. Sie schlagen sieben Anpassungen vor, die die Kriterien des delegierten Rechtsakts zur Taxonomie vereinfachen, sie an nationale Energieeffizienz- und Bauvorschriften anpassen und es somit erleichtern würden, die Finanzierung energieeffizienter Gebäude, von Gebäudesanierungen und Neubauten in ganz Europa als nachhaltig zu kennzeichnen.
„Ambitionierte Klimaziele können nur erreicht werden, wenn die praktische Anwendbarkeit gewährleistet ist,“ erklärte Sabrina Miehs, Bereichsleiterin Sustainable Finance beim vdp. „Damit Kapital in nachhaltige Projekte gelenkt werden kann, muss das Regelwerk für Kreditinstitute, Investoren und Kunden nachvollziehbar und umsetzbar sein.“ „Diese gemeinsame Initiative versteht sich als konstruktiver Beitrag zur laufenden Überarbeitung der EU-Taxonomie. Vereinfachte und klarere Regeln, die die Verfügbarkeit von Daten und Aspekte der Datenverwaltung berücksichtigen, sind keineswegs ein Rückschritt, sondern eine Voraussetzung für die Verwirklichung der Klimaziele der EU-Taxonomie“, betonte Vincent Mahieu, einer der Gründer des EEM NL Hub.
Praktische Umsetzung statt regulatorischer Überlastung
Das Weißbuch basiert auf den Erfahrungen führender Kreditinstitute aus Deutschland und den Niederlanden, die zusammen etwa ein Drittel des europäischen Hypothekenmarktes ausmachen. Wie das Weißbuch zeigt, sind die aktuellen technischen Kriterien der EU-Taxonomie in der Praxis oft schwierig auf die Immobilienfinanzierung anzuwenden. Sie führen bei den Marktakteuren zu Unsicherheit und stellen unverhältnismäßige Anforderungen, da viele Bestimmungen nicht in der nationalen Gesetzgebung verankert sind und für einzelne Immobilien nicht nachgewiesen werden können. Dies macht es besonders schwierig, für Eigentümer von Wohnimmobilien Finanzprodukte zu entwickeln, die mit der EU-Taxonomie in Einklang stehen.
Die sieben konkreten Vorschläge von vdp und EEM NL Hub lauten wie folgt:
1. Taxonomie-Kriterien an nationale Vorgaben zur EPBD-Umsetzung angleichen
Beobachtung:
Der Climate Delegated Act sieht strengere Energieeffizienzwerte vor als die nationalen Standards, die im Rahmen der Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) umgesetzt wurden. Dies führt zu Rechtsunsicherheit, Doppelregulierung und fehlender Praxistauglichkeit.
Lösung:
Die nationalen Umsetzungen der EPBD sollten für die Einhaltung der EU-Taxonomie ausreichen. Eine zusätzliche Verschärfung um 10 % sollte nur als Option verankert werden.
2. Renovierungskriterien zur Förderung der Gebäudesanierung anpassen
Beobachtung:
Selbst wenn die Taxonomie-Kriterien für die Renovierung vollständig erfüllt sind, das Gebäude nach der Renovierung jedoch kein hohes Energieeffizienzniveau erreicht, kann nur ein Teil des Darlehens und nicht die gesamte Finanzierung des Gebäudes als taxonomiekonform eingestuft werden. Dies bietet einen klaren Anreiz, Gebäude zu priorisieren, die bereits relativ energieeffizient sind und nur eine geringe Verbesserung benötigen, um taxonomiekonform zu werden.
Lösung:
Es sind Kriterien erforderlich, die die Renovierung von Gebäuden fördern, die derzeit als ineffizient eingestuft sind (Energieklassen D-G) und bei denen eine Renovierung möglicherweise nicht sofort zur höchsten Energieklasse führt. Unter den definierten Anforderungen für energieeffiziente Renovierungen sollte die gesamte Immobilienfinanzierung als taxonomiekonform für die wirtschaftliche Tätigkeit „Renovierung bestehender Gebäude” anerkannt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.




