
Die Fondsindustrie diskutiert derzeit intensiv über künstliche Intelligenz, Datenplattformen und neue regulatorische Anforderungen. Dabei werden diese Themen häufig isoliert betrachtet.
Tatsächlich sind sie Ausdruck derselben Entwicklung: Unternehmen organisieren sich nicht entlang von Organigrammen. Sie organisieren sich entlang von Kosten.
Solange Analyse teuer und Koordination günstig ist, lohnt sich Arbeitsteilung. Werden Analysen billiger und Koordination teurer, verschiebt sich die optimale Organisationsform.
Genau diese Entwicklung lässt sich derzeit auch in der Fondsindustrie beobachten.
Lange Zeit galt Arbeitsteilung als nahezu selbstverständlich. Für jede Funktion entstanden spezialisierte Anbieter. Asset Manager, Fondsberater, Property Manager, Datenanbieter, Researchhäuser oder ESG-Spezialisten übernahmen jeweils einen Teil der Wertschöpfungskette.
Das war kein Zufall, denn Analyse war aufwendig. Informationen waren knapp. Spezialwissen hatte einen hohen Wert.
Heute verändern sich die Rahmenbedingungen:
Viele Analyseleistungen werden günstiger, schneller und skalierbarer. Gleichzeitig akzeptiert die Regulierung Arbeitsteilung weiterhin, akzeptiert jedoch immer weniger Unklarheit bei der Verantwortung.
Die Konsequenz lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen:
Die Debatte über künstliche Intelligenz wird häufig als Technologiedebatte geführt. Tatsächlich handelt es sich mindestens ebenso sehr um eine Organisationsdebatte.
Die Verschiebung zeigt sich nicht nur auf Unternehmensebene, sondern zunehmend auch in Rollenprofilen. Viele Organisationen suchen heute nicht primär nach zusätzlicher Analysekapazität. Sie suchen Menschen, die Informationen, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten miteinander verbinden können.
Mit anderen Worten: Der Wert verschiebt sich von der Analyse zur Koordination.
Wenn man die Fondsindustrie brutal vereinfacht, bleiben eigentlich nur vier Dinge übrig.
Jede Fondsstruktur ist letztlich nur eine Organisationsform für diese vier Funktionen.
Die entscheidende Organisationsfrage lautet, welche dieser Funktionen getrennt und welche gemeinsam organisiert werden.
Die vergangenen zwanzig Jahre waren von einer immer stärkeren Trennung dieser Funktionen geprägt:
Technologie und Regulierung wirken hingegen in der heutigen Zeit auf unterschiedliche Weise.
Mit der sinkenden Knappheit von Analyse verschiebt sich auch der Schwerpunkt der Wertschöpfung: Der Wettbewerbsvorteil liegt künftig weniger in der Analyse selbst als in der Fähigkeit, Analyse, Entscheidung, Verantwortung und Ausführung konsistent zu organisieren.
Das bedeutet nicht, dass Arbeitsteilung verschwindet. Gerade der jüngste in der Industrie erkennbare Trend zur Portfolioauslagerung auch bei Immobilienfonds zeigt, dass Spezialisierung auch künftig eine wichtige Rolle spielen wird.
Entscheidend wird künftiger weniger sein, ob eine Funktion intern oder extern erbracht wird. Entscheidend wird sein, ob Analyse, Entscheidung, Verantwortung und Ausführung konsistent organisiert sind.
Technologie und Regulierung sprechen deshalb nicht gegen Arbeitsteilung.
Sie sprechen aber eine sehr deutliche Sprache gegen unklare Arbeitsteilung! Wobei die hier skizzierte Entwicklung auch Organisationsfragen anderer Industrien betreffen wird, in denen Analyse günstiger und Verantwortung wichtiger wird.