Wohnungsknappheit als neue politische Leitfrage
Der deutsche Wohnimmobilienmarkt steht zunehmend im Spannungsfeld zwischen Markt und Staat. Steigende Mieten, schwache Neubautätigkeit, hohe Baukosten und erschwerte Finanzierungsbedingungen haben die öffentliche Debatte in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Ging es zunächst vor allem um das Ende des Immobilienbooms und die Folgen der Zinswende, rückt inzwischen immer stärker die strukturelle Angebotsknappheit in den Vordergrund.
Damit verändert sich auch die politische Diskussion. Mietendeckel, Vergesellschaftung und Bundesbaugesellschaft stehen exemplarisch für drei sehr unterschiedliche Formen staatlicher Eingriffe: in Preise, Eigentum und Angebot. Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht nur, ob staatliches Handeln politisch gewollt ist. Entscheidend ist, ob es ökonomisch geeignet ist, die Knappheit am Wohnungsmarkt tatsächlich zu reduzieren.
Der deutsche Wohnimmobilienmarkt zwischen „Adam Smith“ und „Karl Marx“
Die öffentliche Debatte über den deutschen Wohnimmobilienmarkt bewegt sich zunehmend zwischen zwei Polen: auf der einen Seite der Ruf nach mehr Markt, Wettbewerb und privaten Investitionen; auf der anderen Seite Forderungen nach stärkerer Regulierung, Mietendeckeln oder sogar Vergesellschaftung. Ökonomisch greift diese Gegenüberstellung jedoch zu kurz.
Der Wohnungsmarkt ist kein isoliertes Mietpreisproblem, sondern ein Marktgleichgewichtsproblem. Solange das Angebot nicht steigt, verschiebt Regulierung vor allem Knappheit, Anreize und Verteilungskonflikte. Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob der Staat eingreifen darf, sondern ob der jeweilige Eingriff die Ursache der Knappheit adressiert.
Aus Sicht Ludwig Erhards wäre die Antwort vermutlich ordnungspolitisch: Soziale Marktwirtschaft im Wohnungsmarkt heißt, soziale Ziele zu sichern, aber Knappheit über Angebot, Wettbewerb und verlässliche Rahmenbedingungen zu lösen. Der Staat soll den Markt nicht ersetzen, sondern die Bedingungen schaffen, damit Wohnungsbau wieder funktioniert.
Mikroökonomisch lässt sich dies über Angebots- und Nachfragekurve beschreiben. Die Angebotskurve zeigt, wie viele Wohnungen Anbieter bei unterschiedlichen Preis- bzw. Mietniveaus bereitstellen würden. Sie leitet sich aus den Grenzkosten ab: Anbieter schaffen zusätzlichen Wohnraum nur, wenn der erwartete Preis bzw. die Miete die Kosten der nächsten Wohnung deckt. Im Wohnungsmarkt reagiert sie kurzfristig träge, weil Neubau Zeit, Bauland, Kapital und Genehmigungen braucht.
Die Nachfragekurve zeigt, wie viele Wohnungen Haushalte bei unterschiedlichen Miet- oder Kaufpreisen nachfragen. Sie leitet sich aus Grenznutzen und Zahlungsbereitschaft ab: Haushalte fragen zusätzlichen Wohnraum nach, solange der zusätzliche Nutzen die Kosten rechtfertigt. Im Wohnungsmarkt ist die Nachfrage relativ unelastisch, weil Wohnen ein Grundbedürfnis ist und Ausweichmöglichkeiten begrenzt sind.







