Geopolitische Unsicherheiten, unsichere Inflationserwartungen und höhere Finanzierungskosten verschärfen die Herausforderungen für die gewerbliche Immobilienfinanzierung. Gleichzeitig erreicht der Refinanzierungsbedarf vieler Bestandsimmobilien seinen Höhepunkt. Auf einer von Rueckerconsult organisierten Online-Pressekonferenz diskutierten Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy bei der HIH Invest, Stefan Hoenen, Head of Commercial Real Estate bei der Hamburg Commercial Bank, Fabio Carrozza, CSO der BF.direkt AG, Torsten Hollstein, Geschäftsführer von CR Investment Management, sowie Alexander Lackner, CEO von neworld, über die Perspektiven des Finanzierungsmarktes im zweiten Halbjahr 2026.
Nach Einschätzung der Experten bleibt das Marktumfeld trotz erster Stabilisierungstendenzen anspruchsvoll. Die Zinswende, gesunkene Immobilienwerte und ein hoher Refinanzierungsbedarf führen insbesondere bei älteren Finanzierungen zu zunehmendem Druck. Nach Berechnungen der HIH Invest laufen 2026 gewerbliche Immobilienfinanzierungen im Volumen von mehr als 40 Milliarden Euro aus. Gleichzeitig steigt die Refinanzierungslücke auf über sechs Milliarden Euro. Besonders betroffen sind Büroimmobilien, da hier sowohl die Transaktionsaktivitäten den Jahren vor der Zinswende als auch die Wertkorrekturen im Anschluss am stärksten ausfielen.
„2026 erreicht der Refinanzierungsbedarf unseren Berechnungen zufolge seinen Höhepunkt. Gleichzeitig treffen die auslaufenden Finanzierungen auf ein deutlich höheres Zinsniveau und niedrigere Immobilienbewertungen. Dadurch steigt der Sicherheiten- und Eigenkapitalbedarf bei Refinanzierungen für die Investoren in vielen Fällen spürbar an“, sagte Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy bei der HIH Invest.
Neben den gestiegenen Finanzierungskosten erschweren vor allem gesunkene Verkehrswerte die Anschlussfinanzierung vieler Objekte. Während die Fremdkapitalquoten in zahlreichen Fällen deutlich angestiegen sind, verlangen Finanzierer zunehmend zusätzliche Sicherheiten oder Eigenkapitalnachschüsse. Die Experten sehen deshalb keine klassische Kreditklemme, wohl aber eine zunehmende Differenzierung zwischen finanzierbaren und schwer finanzierbaren Immobilien.








