Das globale Private-Equity-Universum befindet sich nicht in einer vorübergehenden Schwächephase. Vielmehr hat sich das Marktumfeld strukturell verändert. Höhere Finanzierungskosten, längere Haltedauern und ein selektiveres Exit-Umfeld prägen die Anlageklasse inzwischen nachhaltig. Damit verschiebt sich auch die zentrale Frage für Investoren: Nicht mehr allein, wie viel Kapital investiert werden kann, sondern wie Kapital erfolgreich an die Investoren zurückgeführt wird.
Zu diesem Ergebnis kommt Mark Zünd, Head of Private Equity Solutions bei Sagard, in den aktuellen Private Equity Insights. Seine Analyse beschreibt ein neues Marktregime, in dem operative Wertschöpfung, Liquiditätsmanagement und ein diszipliniertes Portfoliomanagement zunehmend über den Anlageerfolg entscheiden
Vom Raketenstart zum sicheren Re-Entry
„Die Gesetze der Physik haben sich nicht verändert – wohl aber das Gravitationsfeld“, beschreibt Zünd die aktuelle Entwicklung. Während in der Niedrigzinsphase günstige Finanzierung, steigende Bewertungen und ein dynamisches Exit-Umfeld viele Investitionen unterstützten, erfordern höhere Kapitalkosten und komplexere Marktbedingungen heute deutlich mehr Disziplin über den gesamten Investmentzyklus hinweg.
Erfolgreiches Private Equity entsteht daher nicht allein beim Einstieg in eine Beteiligung. Entscheidend sind ein überzeugender Wertschöpfungsplan, die kontinuierliche Weiterentwicklung der Unternehmen sowie glaubwürdige Exit-Strategien. Gleichzeitig gewinnen reale Kapitalrückflüsse (Distributed to Paid-In Capital, DPI) gegenüber reinen Bewertungskennzahlen wie dem TVPI zunehmend an Bedeutung. Auch der gezielte Einsatz des Secondaries-Marktes kann dazu beitragen, Kapital effizienter zu steuern und Ausschüttungen an Investoren zu unterstützen.
Warum der Small- und Mid-Market im Vorteil sein könnte
Vor diesem Hintergrund sieht Sagard insbesondere im Small- und Mid-Market weiterhin attraktive Investitionsmöglichkeiten. Im Vergleich zu großen Buyout-Transaktionen bieten mittelständische Unternehmen häufig niedrigere Einstiegsmultiplikatoren, attraktive Potenziale für organisches Wachstum sowie ein breiteres Spektrum möglicher Exit-Wege.
Gerade mittelständische Unternehmen verfügen häufig über erhebliches Entwicklungspotenzial – etwa durch Digitalisierung, Internationalisierung, Buy-and-Build-Strategien oder die Professionalisierung von Managementstrukturen. Viele sind in attraktiven Nischenmärkten tätig oder werden weiterhin von ihren Gründern geführt. Wertsteigerungen entstehen dadurch zunehmend aus der operativen Entwicklung der Unternehmen und weniger aus günstigen Kapitalmarktbedingungen.
Gleichzeitig weist Sagard darauf hin, dass auch diese Chancen mit Risiken verbunden sind. Marktvolatilität, operative Herausforderungen und ein anspruchsvolleres Finanzierungsumfeld erfordern eine sorgfältige Auswahl von Unternehmen und Fondsmanagern.
Künstliche Intelligenz verändert den gesamten Investmentprozess
Neben den veränderten Marktbedingungen entwickelt sich auch Künstliche Intelligenz zu einem wichtigen Einflussfaktor für Private-Equity-Investitionen. KI kann Unternehmen dabei unterstützen, Prozesse zu automatisieren, Entscheidungen zu beschleunigen, Betrugsprävention zu verbessern und neue Produktpotenziale zu erschließen.
Gleichzeitig können sich insbesondere bei Software- und technologieorientierten Geschäftsmodellen bestehende Wettbewerbsvorteile während einer typischen Haltedauer grundlegend verändern. Aus Sicht von Sagard sollte KI deshalb nicht als isoliertes Anlagethema betrachtet werden, sondern über den gesamten Investmentprozess hinweg berücksichtigt werden – vom Underwriting über die operative Wertschöpfung bis zur Exit-Planung.
Disziplin wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
Das neue Marktumfeld dürfte die Unterschiede zwischen Fondsmanagern weiter vergrößern. Erfolgreich werden nach Einschätzung von Sagard künftig weniger diejenigen sein, die möglichst schnell Kapital investieren oder die größten Fonds verwalten. Entscheidend werden vielmehr ein diszipliniertes Underwriting, aktives Portfoliomanagement, operative Wertschöpfung und die Fähigkeit sein, Kapital über unterschiedliche Marktphasen hinweg verlässlich an Investoren zurückzuführen.
Mit der strukturellen Veränderung des Private-Equity-Marktes rückt damit die Qualität des Investmentprozesses stärker in den Mittelpunkt als das reine Tempo der Kapitalallokation.


