
Während die deutsche AnlV Kapitalströme umlenkt, versucht Solvency II, sie risikogerecht zu begleiten. Durch reduzierte Eigenmittelanforderungen soll Kapital insbesondere für Infrastruktur geöffnet werden – Stichwort: qualifizierte Infrastruktur. Am Beispiel der Investition in Großbatteriespeicher-Technologie (BESS) zeigt sich deutlich, dass erfolgreiche Kapitalmobilisierung davon abhängt, Schablonenkriterien wie langfristige, kalkulierbare und vertraglich gut abgesicherte Cashflows bereits im Produktdesign tief zu verankern.
Von der Idee zur Schablone
Solvency II hat keine Infrastrukturquote – aber ein starkes Konzept: qualifizierte Infrastrukturinvestitionen. Der Telos ist klar: Wo Risiken niedriger und Cashflows stabiler sind, darf der Kapitalbedarf der Versicherer sinken. Die aufsichtsrechtliche Logik lautet also: Wer mit Sicherheit investiert, braucht weniger Sicherheitshinterlegung. Doch der Weg dorthin führt über Nachweise, Definitionen und Strukturen, die nicht zufällig entstehen, sondern bewusst im Produktdesign angelegt werden müssen.
Was die Schablone verlangt
Artikel 164 a und b der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 beschreiben ein Idealbild: planbare Cashflows, begrenzter Unternehmenszweck, robuste Verträge, belastbare Governance.
(Während Artikel 164 a auf Infrastrukturprojekte mit klar umrissenen Vermögenswerten und projektbezogenen Verträgen zielt, erweitert Artikel 164 b das Privileg auf Infrastrukturunternehmen – also Betreiber- oder Beteiligungsstrukturen, deren Geschäftstätigkeit sich dauerhaft auf den Besitz, Betrieb oder die Finanzierung solcher Assets konzentriert.)
Diese Anforderungen sollen die ökonomische Stabilität realer Assets in versicherungsaufsichtsrechtliche Sicherheit übersetzen. Wer sich innerhalb dieses Rahmens bewegt, profitiert von einer Eigenmittelunterlegung von rund 22 % statt 39 % – ein Privileg, das für Versicherer unmittelbar investitionsrelevant ist.
BESS – Batterien als interessanter Anwendungsfall
Im Strom- und Regelleistungsmarkt monetarisierbare Großbatteriespeicher (BESS-Anlagen) finden als Infrastruktur-Anlageklasse zunehmend das Interesse institutioneller Anleger – nicht zuletzt wegen Renditeerwartungen im Double-Digit-Bereich.
Technische Einblicke in die Asset Klasse vermittelt der Beitrag von Dr. Andreas Peppel praxisbezogen auf ASSETPHYSICS. Im jüngsten Beitrag ebenfalls von Dr. Andreas Peppel auf dieser Plattform sind die Chancen und Risiken dieser Asset Klasse zusammengefasst.




