Der Markt für Interim Management in der Bau-, Immobilien- und Finanzwirtschaft zeigt ein gespaltenes Bild. Während ein Drittel der Interim Manager in den vergangenen 12 Monaten eine Auslastung von mehr als 90 Prozent erreichte, lag diese bei knapp einem Viertel unter 50 Prozent. Gleichzeitig blickt weniger als die Hälfte der Befragten optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung. Das sind zentrale Ergebnisse der erstmals veröffentlichten eigenständigen „Markt- und Karrieretrendanalyse 2026 – Interim Management“ der auf die Bau-, Immobilien- und Finanzwirtschaft spezialisierten Personalberatung Cobalt.
„Der Interim-Markt ist derzeit von erheblichen Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite gibt es erfahrene Spezialisten, die nahezu durchgehend in Projekten gebunden sind. Auf der anderen Seite stehen hoch qualifizierte Interim Manager, die Schwierigkeiten haben, Anschlussmandate zu finden. Das zeigt, dass Unternehmen sehr selektiv entscheiden, welche externe Expertise sie tatsächlich benötigen“, so Jan Schwill, Geschäftsführer der Cobalt-Tochter Concord Cobalt Recruitment GmbH.
Nur jeder Vierte sieht verbesserte Karrierechancen
Die zurückhaltende Stimmung spiegelt sich in den Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung wider. Lediglich 45 Prozent der befragten Interim Manager sind hinsichtlich der kommenden sechs bis 12 Monate sehr oder eher zuversichtlich. 32 Prozent beurteilen die Aussichten skeptisch, weitere 23 Prozent bleiben neutral. Auch die persönliche Karriereperspektive hat sich für viele eingetrübt: 36 Prozent berichten von einer Verschlechterung ihrer Karriereaussichten infolge der Marktentwicklung. Nur 25 Prozent sehen eine positive Veränderung, während 39 Prozent keine Auswirkungen feststellen.
Dabei bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Im Immobilienwesen blicken 48 Prozent zuversichtlich auf die wirtschaftliche Entwicklung. Im Bauwesen sind es 43 Prozent, während dort zugleich 48 Prozent skeptisch sind. „Interim Manager spüren Veränderungen der Marktlage besonders unmittelbar. Wenn Investitionen verschoben, Projektentwicklungen gestoppt oder Budgets gekürzt werden, wirkt sich das direkt auf die Nachfrage nach externen Führungskräften und Spezialisten aus. Gleichzeitig entstehen durch Restrukturierungen, die Transformation von Immobilienbeständen und neue regulatorische Anforderungen Aufgaben, für die Unternehmen kurzfristig erfahrene Experten benötigen“, erläutert Schwill.
Tagessätze von 1.000 bis 1.200 Euro am häufigsten
Die Studie liefert auch Einblicke in die Vergütungsstruktur. 67 Prozent der befragten Interim Manager erzielen Tagessätze von mindestens 800 Euro. Am häufigsten werden Tagessätze zwischen 1.000 und 1.200 Euro genannt (25 Prozent), gefolgt von 800 bis 1.000 Euro (23 Prozent). 19 Prozent erzielen mehr als 1.200 Euro pro Tag, darunter sieben Prozent sogar mehr als 1.500 Euro. Dabei hängt die Vergütung stark von der jeweiligen Funktion, der Seniorität und dem Einsatzgebiet ab. Im Immobilienwesen konzentrieren sich die Tagessätze auf den Bereich zwischen 1.000 und 1.200 Euro. Im Bauwesen ist die Spreizung größer. Regional zeigen sich ebenfalls Unterschiede: Während im Süden überdurchschnittlich häufig Tagessätze zwischen 1.200 und 1.500 Euro erzielt werden, liegen diese im Osten häufiger unter 800 Euro.
„Unternehmen sollten bei der Beauftragung von Interim Managern nicht ausschließlich auf den Tagessatz schauen. Entscheidend ist, welchen Beitrag die jeweilige Person in einem begrenzten Zeitraum leisten kann. Gerade bei komplexen Restrukturierungen, anspruchsvollen Transformationsprozessen oder zeitkritischen Projekten kann die richtige Besetzung einen erheblichen wirtschaftlichen Unterschied machen“, betont Schwill.
Interim Management ist häufig keine kurzfristige Übergangslösung
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Interim Management ist keineswegs auf wenige Wochen begrenzt. 66 Prozent der Befragten berichten von durchschnittlichen Mandatslaufzeiten von mindestens sechs Monaten. Dies verdeutlicht, dass Unternehmen externe Führungskräfte und Spezialisten nicht nur zur kurzfristigen Überbrückung personeller Engpässe einsetzen, sondern auch für längerfristige Projekte und Veränderungsprozesse. Gleichzeitig bleibt die Auslastung ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor für die selbstständig tätigen Manager. Während 33 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten zu mehr als 90 Prozent ausgelastet waren, erreichten 24 Prozent weniger als 50 Prozent. Weitere 43 Prozent lagen dazwischen.
„Interim Management ist längst mehr als eine Notlösung bei einem kurzfristigen personellen Ausfall. Unternehmen können sich damit gezielt Kompetenzen sichern, die sie nicht dauerhaft vorhalten müssen oder können. Gerade in der Immobilienwirtschaft, in der sich Geschäftsmodelle und Anforderungen derzeit tiefgreifend verändern, ist das ein wichtiges Instrument. Voraussetzung sind allerdings klar definierte Aufgaben, realistische Projektlaufzeiten und schnelle Entscheidungen auf Auftraggeberseite“, so Schwill.
Persönliche Kontakte sind wichtiger als digitale Plattformen
Bei der Gewinnung neuer Mandate dominieren weiterhin persönliche Beziehungen. 72 Prozent der befragten Interim Manager nennen das eigene Netzwerk als wesentlichen Akquisekanal. Es folgen ehemalige Auftraggeber mit 48 Prozent, Personalberatungen mit 45 Prozent und direkte Kundenanfragen mit 41 Prozent. Digitale Interim-Plattformen spielen mit 32 Prozent eine ergänzende Rolle. Mehrfachnennungen waren möglich.
Besonders ausgeprägt ist die Bedeutung persönlicher Netzwerke im Immobilienwesen: Hier nennen 78 Prozent der Befragten diesen Weg zur Projektgewinnung.
„Interim Management ist ein Vertrauensgeschäft. Unternehmen müssen sicher sein, dass ein externer Manager nicht nur die erforderliche fachliche Expertise mitbringt, sondern sich auch innerhalb kürzester Zeit in bestehende Strukturen einarbeiten und Verantwortung übernehmen kann. Deshalb werden persönliche Empfehlungen und spezialisierte Personalberatungen auch künftig eine zentrale Rolle spielen“, so Schwill abschließend.
Cobalt untersucht Interim-Markt erstmals eigenständig
Mit der Markt- und Karrieretrendanalyse 2026 widmet Cobalt dem Interim Management erstmals eine eigenständige Untersuchung. Die Studie beleuchtet unter anderem die wirtschaftlichen Erwartungen, die berufliche Zufriedenheit, die Projektsituation, die Vergütung und die Akquisewege von Interim Managern in der Bau-, Immobilien- und Finanzwirtschaft. Die Ergebnisse sollen sowohl Unternehmen als auch Interim Managern Orientierung bieten und dazu beitragen, die Chancen und Herausforderungen dieses Beschäftigungsmodells differenzierter einzuordnen.
Über die Studie
Die „COBALT Markt- und Karrieretrendanalyse 2026 – Interim Management“ ist eine eigenständige Auswertung innerhalb der Cobalt-Markt- und Karrieretrendanalyse 2026. An der übergeordneten Erhebung beteiligten sich insgesamt 981 Personen aus der Bau-, Immobilien- und Finanzwirtschaft. Die Interim-Auswertung untersucht insbesondere die berufliche Situation, Projektlaufzeiten und Auslastung, Tagessätze, Akquisewege sowie die Erwartungen an die Marktentwicklung. Die vollständige Studie steht unter folgendem Link zur Verfügung:




