Interview Weekly

Infrastrukturfonds: Ladeinfrastruktur für E-Mobilität

Ladeparks, Ladeinfrastruktur
Symbolbild (Quelle: 2IP/KI)

Elektromobilität ist im Alltag angekommen – und mit ihr rückt Ladeinfrastruktur erneut in den Fokus institutioneller Investoren. Doch anders als in der ersten Welle reicht die reine Wachstumserzählung nicht mehr aus. Wirtschaftlichkeit, Technologiezyklen, Strompreisrisiken und Netzanbindung entscheiden heute darüber, ob Ladeparks ein belastbares Infrastrukturinvestment sind oder ein technologiegetriebener Sonderfall. Das folgende Gespräch von Tobias Moroni mit Dr. Andreas Peppel, Managing Director bei Institutional Investment Consulting Partners, ordnet Ladeinfrastruktur aus Anlegersicht ein – zwischen strukturellem Rückenwind und operativer Komplexität.

Tobias Moroni: Hallo Andreas, Ladeinfrastruktur ist seit Jahren Bestandteil vieler Infrastrukturfonds. Warum kommt das Thema jetzt wieder stärker auf die Agenda?

Dr. Andreas Peppel: Weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Die technologische Entwicklung bei batterieelektrischen Fahrzeugen – kürzere Ladezeiten, höhere Reichweiten – macht E-Mobilität alltagstauglich. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass frühere Annahmen zum Risiko-Rendite-Profil vieler Ladeparks aus Sicht des Betreibers optimistisch oder zumindest unscharf waren. Genau diese Lücke wird nun analytisch sauberer adressiert.

Tobias Moroni: In Vorbereitung unseres Gesprächs hast Du mir gesagt, dass Du für Veranschaulichungszwecke eine Fallskizze mitbringst, wie sie durchaus Gegenstand Deiner Beratungspraxis ist. Worum geht es konkret?

Dr. Andreas Peppel:  Betrachtet wird ein urbaner Park-&-Ride-Ladepark in Deutschland mit 20 Ladepunkten: 16 DC-Schnelllader im Bereich von 150 bis 350 kW sowie 4 AC-Lader mit 22 kW. Das ist ein typischer Anwendungsfall, wie er aktuell in Fonds geprüft wird.

Tobias Moroni: Welche Renditeerwartungen sind realistisch?

Dr. Andreas Peppel:  Der Businessplan unterstellt eine IRR von etwa 8 bis 10 Prozent über zehn Jahre. Das entspricht dem Marktkonsens für dieses Segment – weder aggressiv noch defensiv, sondern solide im Infrastrukturspektrum.

Tobias Moroni: Wie steht es um die Projektrisiken?

Dr. Andreas Peppel: In meinem konkreten Fallbeispiel ist das klassische Projektentwicklungsrisiko weitgehend eliminiert, da alle Genehmigungen vorliegen und der Standort „ready to build“ ist. Die größten Unsicherheiten liegen aktuell weniger im Baurecht als bei den Netzanschlüssen. Lange Wartezeiten durch Verteilnetzbetreiber verzögern viele Projekte erheblich.

Tobias Moroni: Ich nehme an, dass ein zentraler Punkt des Investment Cases die Auslastung ist. Welche Annahmen sind tragfähig?

Dr. Andreas Peppel: Erfahrungsgemäß liegt die wirtschaftliche Untergrenze bei etwa 15 Prozent. Insofern bieten darüber liegende Auslastungen einen gewissen Puffer. Das setzt voraus, dass der Standort, also Lage und Verkehrsfrequenz, solche Kalkulationen auch stützen.

Tobias Moroni: Wie kritisch ist das Strompreisrisiko?

Dr. Andreas Peppel: Durchaus kritisch. In meinem Fallbeispiel ist der mit rund 0,60 Euro pro kWh angesetzte Endkundenpreis marktüblich. Entscheidend für die Marge des Charge Point Operators ist jedoch der Einkaufspreis des Stroms und die Höhe der Netzentgelte. Diese Parameter können den Deckungsbeitrag massiv beeinflussen. Die Volatilität der Strompreise erschwert zudem langfristige Abnahmeverträge und damit belastbare Ertragsprognosen.

Tobias Moroni: Welche Rolle spielt der technologische Fortschritt bei der Bewertung?

Dr. Andreas Peppel: Eine zentrale Rolle. Die aktuelle Fahrzeuggeneration nutzt zunehmend 800-Volt-Technologie. Um deren Potenzial auszuschöpfen, sind Ladeleistungen von mindestens 350 kW erforderlich. Noch höhere Leistungen sind absehbar. Das bedeutet: Bestandsanlagen altern schnell.

Tobias Moroni: Was heißt das für Investoren konkret?

Dr. Andreas Peppel: Restwerte müssen konservativ angesetzt werden, und CapEx für einen Anlagentausch – etwa nach fünf Jahren – müssen realistisch eingeplant sein. Besonders kritisch sind dabei langsame AC-Lader. Wenn Schnellladen günstiger und effizienter wird, verlieren sie deutlich an Attraktivität.

Tobias Moroni: Ist Ladeinfrastruktur damit eher Technologie- als Infrastrukturinvestment?

Dr. Andreas Peppel: Es ist eine hybride Kategorie. Die Wirtschaftlichkeit hängt nicht nur von Standort und Nachfrage ab, sondern stark von Technologiezyklen, Energiepreisen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Genau das macht die Analyse komplex – und unterscheidet Ladeinfrastruktur von klassischer Core-Infrastruktur.

Tobias Moroni: Trotzdem sprichst du von einer möglichen „Renaissance“. Warum?

Dr. Andreas Peppel: Weil der strukturelle Trend eindeutig ist. Der Verbrenner wird perspektivisch vom BEV verdrängt. Diese Erwartung ist nicht politisch, sondern industriell getrieben. Die Innovationsdynamik der Automobilhersteller zwingt die Infrastruktur nachzuziehen. Für Investoren bedeutet das: kein Selbstläufer, aber ein Segment mit langfristigem Rückenwind – sofern Technologie, Kostenstruktur und Auslastung sauber zusammenpassen.

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