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Kommen die institutionellen Immobilienanleger zurück – oder nur ihr Cash?

Im Markt für Immobilienspezialfonds ist in den letzten Wochen wieder Bewegung reingekommen. Zeichnungen, Aufstockungen und Anteilserwerbe nehmen zu.

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Rückkehr institutioneller Immobilienanleger. Bei näherer Betrachtung der beobachteten Marktaktivitäten zeigt sich: Zurück kommt nicht der Markt – sondern ein sehr spezifischer Teil davon.

1. Liquidität ist zurück – aber nur dort, wo Immobilien immer schon relevant waren.

Die aktuell beobachtete Aktivität geht überwiegend von immobilienaffinen institutionellen Investoren aus – also von Anlegern, für die die indirekte Immobilienanlage bereits vor dem Niedrigzinsboom eine strukturell relevante Größe in der Gesamtallokation darstellte.

Diese Investoren erhalten nach einer längeren Phase geringer Ausschüttungen wieder Rückflüsse aus bestehenden Fonds. Die Immobilienquote selbst bleibt dabei unverändert. Was entsteht, ist Re-Investitionsdruck innerhalb etablierter Immobilienbudgets.

Also: Investiert wird nicht, weil Immobilien neu entdeckt werden – sondern weil bestehende Immobilienliquidität wieder angelegt werden muss.

2. Der KPI hat sich verschoben: Jetzt wird Cashflow gekauft.

Im Zentrum der aktuellen Investitionsentscheidungen stehen:

  • laufende, belastbare Cashflows
  • planbare Ausschüttungen
  • begrenztes Capex- und Reinvestitionsrisiko

Langfristige Wertsteigerungsnarrative, strategische Repositionierungen oder Development-Stories treten klar in den Hintergrund. Entscheidend ist die Ausschüttungsfähigkeit auf Fondsebene – nicht die modellierte Zielrendite.

Also: Es geht nicht um strategische Neuaufstellung, sondern um den gezielten Einkauf günstiger Cashflows.

3. Das Finanzierungsumfeld öffnet das Opportunitätsfenster.

Ein stabileres Zinsumfeld und wieder verfügbare Fremdfinanzierungsstrukturen erhöhen die Transaktionsfähigkeit bestehender Immobilienspezialfonds. Anteilskäufe, Fondsübernahmen und Aufstockungen laufender Vehikel werden wieder möglich – ohne neue Blind-Pools oder langlaufende Aufbauphasen.

Also: Investiert wird nicht nur dort, aber besonders gerne dort, wo Struktur, Finanzierung und Cashflow bereits stehen.

4. Mehr Aktivität – bewusst kein Strategiewechsel.

Beobachtbar sind:

  • selektive Neuzeichnungen
  • Aufstockungen bestehender Fonds
  • opportunistische Anteilserwerbe

Weniger beobachtbar sind:

  • neue Immobilienquoten
  • breite Re-Allokationen
  • ein thematischer Neustart institutioneller Immobilienstrategien

Also: Das ist taktisches Opportunitätsgeschäft, kein strategischer Turnaround.

Fazit

Institutionelle Immobilienanleger kommen zurück – aber nur diejenigen, die nie wirklich weg waren. Investiert wird gezielt, selektiv und opportunitätsgetrieben: jetzt günstige Cashflows einkaufen, nicht Portfolios neu erfinden. Der Markt springt an – punktuell, nicht flächendeckend.

 

👉 Einordnung:
Diese Marktbeobachtung deckt sich mit den Ergebnissen des McKinsey Global Private Markets Report 2025, der eine klare Verschiebung institutioneller Investoren hin zu Ausschüttungsfähigkeit (DPI), Re-Investition von Rückflüssen und opportunistischem Deployment beschreibt – bei unveränderten strategischen Allokationsquoten.

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