Warum Merchant Risk kein Makel ist, sondern gestaltet werden muss
Die Grundannahme von Stabilität
Infrastruktur gilt als stabil, planbar, vertraglich abgesichert. Cashflows sind „contracted“.
Und doch kann ein Teil des Risikos übersehen oder zumindest unterschätzt werden: Merchant Risk. Das kann in manchen Fällen zum Beispiel daran liegen, dass er sich in der Struktur mitunter vorteilhafter präsentieren will, als er ökonomisch eigentlich ist.
1. Merchant ist oft da – auch wenn er nicht so aussieht
Die Abgrenzung ist schnell formuliert:
- Contracted: Cashflows sind vertraglich fixiert, weitgehend unabhängig von Marktpreisen
- Merchant: Erlöse entstehen aus Preisen, Volumen und Marktmechanismen
Das ist klar in der Theorie, aber unscharf in der Praxis. Denn Assets können sich zwischen diesen Polen bewegen – und die Fondsstruktur verstärkt diese Unschärfe oft noch.
Beispiele:
- Erneuerbare Energien mit nur teilweiser Absicherung
- Speicherlösungen, deren Erlöse aus kurzfristigen Märkten stammen und die unmittelbar an dem Betreiberrisiko hängen
- Digitale Infrastruktur, sogar deren Auslastung nicht vollständig garantiert sein kann
Der zentrale Punkt ist: Der Vertrag stabilisiert den Cashflow. Er erzeugt ihn nicht.
2. Saubere Diagnose
Damit wird die eigentliche Aufgabe klar:
- Hat die Assetklasse strukturell Merchant Risk?
- Wird er durch die Struktur reduziert – oder nur anders verpackt?
- Und: Ist er im Pricing angemessen berücksichtigt?
Denn ein scheinbar stabiles Ausschüttungsprofil ist nicht zwingend Ausdruck geringer Volatilität, wenn es schlicht deren Verlagerung ist. Oder anders: Manchmal kauft man nicht nur Stabilität, sondern den Sack dazu.
3. Gestaltung: Merchant Risk investierbar machen
Ist Merchant Risk identifiziert, stellt sich nicht nur die Frage nach Vermeidung, sondern auch nach Gestaltung. Gerade bei neueren Infrastrukturtypen liegt hier der Hebel.
Strukturen können so aufgebaut, dass Marktvolatilität nicht verschwindet –
aber in eine Form überführt wird, die tragfähig wird.
Zum Beispiel durch:
- Risikoverlagerung auf spezialisierte Betreiber, die näher am Markt agieren
- Vertragliche Elemente, die Cashflows glätten, ohne ihre Quelle zu verändern
- Selektive Absicherung, die Extremrisiken begrenzt, aber Upside erhält
Das Ergebnis ist auch dann kein „contracted“ Investment im engeren Sinne, sondern ein bewusst gestaltetes Verhältnis von Markt und Vertrag.
Ein hierbei allgemein unterschätzter Hebel liegt dabei in der Zeitstruktur der Cashflows:
Wenn Rückflüsse frühzeitig erfolgen und volatilere Ergebnisbestandteile später anfallen, verschiebt sich das Risikoprofil deutlich zugunsten der Investoren. Das Risiko verschwindet dann zwar nicht, es wird aber anders verteilt.
📌 Fazit:
- Merchant Risk ist kein Widerspruch zu Infrastruktur, sondern häufig Teil des Geschäftsmodells.
- Die Qualität eines Investments entscheidet sich daher nicht vornehmlich daran,
ob Merchant Risk vorhanden, sondern ob er erkannt, bepreist und strukturiert ist.