Die Assetklasse verändert sich. Haben es ihr die Erwartungen der Investoren gleich getan?
Die großen Infrastrukturkonferenzen der letzten Monate erzählen im Kern dieselbe Geschichte. So auch zuletzt der Infrastructure Investor Global Summit in Berlin: Energiewende, Rechenzentren, Netzinfrastruktur, steigender Strombedarf.
Infrastruktur wirkt in diesem Umfeld plötzlich dynamischer, wachstumsnäher, fast schon strategisch aufgeladen. Der Kapitalbedarf ist enorm, die politische und wirtschaftliche Bedeutung hoch, und viele Projekte liegen genau an der Schnittstelle von Energie, Technologie und Regulierung – und damit in einem Umfeld, das stärker politisch geprägt ist und sich für Investoren nur begrenzt deterministisch greifen lässt.
Die Assetklasse hat sich damit verändert – und zwar nicht nur ein bisschen.
Ein wesentlicher Teil der Attraktivität von Infrastruktur lag seit jeher in ihrer Berechenbarkeit. Cashflows waren weitgehend vertraglich abgesichert, Nachfrageprofile stabil, operative Risiken überschaubar. Das war kein Nachteil, sondern der eigentliche Investment Case.
Heute verschiebt sich dieses Bild. Viele der neuen Infrastrukturthemen sind komplexer, stärker miteinander vernetzt und in höherem Maße von externen Faktoren abhängig. Energiepreise, regulatorische Eingriffe, technologische Entwicklungen und Nutzungsdynamiken wirken gleichzeitig auf die Ertragsseite.
Das bedeutet nicht, dass die Assets schlechter geworden sind, sondern dass sie schwerer zu durchdringen sind, weil ihr Risikoprofil weniger eindeutig geworden ist.
Wer sich zuletzt intensiver mit der Frage beschäftigt hat, wo vertraglich wirkende Cashflows am Ende der Tage doch vom Markt abhängen – das Stichwort Merchant Risk ist an dieser Stelle nicht neu und wurde andernorts bereits ausführlicher eingeordnet – erkennt ein Muster:
Was früher relativ klar abgrenzbar war, verlagert sich zunehmend in Bereiche, die auf den ersten Blick stabil wirken. Ertragsunsicherheit entsteht nicht mehr nur dort, wo Erlöse offen am Markt erzielt werden, sondern auch dort, wo sie indirekt von Marktgrößen abhängen.
Das kann über Strompreise geschehen, die die Zahlungsfähigkeit von Abnehmern beeinflussen. Über Auslastungsannahmen bei Dateninfrastruktur. Oder über regulatorische Rahmenbedingungen, die sich im Zeitverlauf verschieben. Merchant Risk ist weniger sichtbar geworden – nicht weniger präsent.
Damit entsteht eine gewisse Spannung. Auf der einen Seite stehen steigende Erwartungen an Wachstum, Transformation und Rendite. Auf der anderen Seite bleibt der Anspruch an Stabilität und Planbarkeit bestehen.
Diese Kombination ist nicht unmöglich, aber sie ist anspruchsvoller geworden. Und sie erfordert ein genaueres Verständnis der zugrunde liegenden Cashflows und Strukturierungskompetenz zu Gunsten der Investoren, als es in der Vergangenheit oft notwendig war.
📌 Fazit:
- Infrastruktur entfernt sich ein Stück weit von ihrem ursprünglichen Charakter als klar umrissene, weitgehend berechenbare Assetklasse.
- Je „moderner“ Infrastruktur wird, desto weniger fest sind ihre Cashflows. Umso wichtiger wird ein tiefes Verständnis deren Strukturierung – insbesondere für eine saubere Risikoverteilung zwischen nach Stabilität suchenden Anlegern und monetarisierungsfokussierten Betreibern.