KI verändert die Private Markets möglicherweise auf zwei Ebenen: Durch bessere Analysen – und durch sinkende Transaktionskosten. Die zweite Wirkung wird bislang kaum diskutiert.
Ronald Coase erhielt 1991 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Einer der Grundsteine seiner später ausgezeichneten Arbeiten entstand bereits 1937 („The Nature of the Firm“): Die Erkenntnis, dass Märkte nicht kostenlos funktionieren. Informationen müssen beschafft, Vertragspartner gefunden, Risiken bewertet und Verträge ausgehandelt werden. Diese Transaktionskosten prägen die Organisation von Märkten.
Coases Kerngedanke war ebenso verblüffend simpel wie weitreichend: Verändern sich die Transaktionskosten, verändern sich häufig auch die Strukturen eines Marktes.
Genau deshalb erscheint die Beschäftigung mit einer Frage sinnvoll, die in der Diskussion über Künstliche Intelligenz bislang kaum gestellt wird.
Was passiert mit den Private Markets, wenn KI die Transaktionskosten deutlich senkt?
Natürlich wird KI die ökonomische Realität von Immobilien, Infrastruktur oder Private Credit nicht außer Kraft setzen. Die Assets selbst bleiben illiquide. Was KI jedoch leisten kann, ist, viele der bislang aufwendigen Prozesse rund um diese Produkte erheblich effizienter zu gestalten.
Zum Beispiel:
- Produktunterlagen und Due-Diligence-Dokumente auswerten.
- Fonds und Manager vergleichen.
- Käufer und Verkäufer identifizieren.
- Digitalen Drittproduktvertrieb skalieren.
- Matching-Plattformen und Secondaries wirtschaftlicher machen.
Genau hierin könnte das eigentliche Potenzial liegen – ein Potenzial, das die Branche bislang kaum nutzt. KI verändert nicht die Assets selbst. Sie verändert die Kosten, Informationen zu verarbeiten, Marktteilnehmer zusammenzuführen und Transaktionen vorzubereiten.
Daraus ergeben sich einige spannende Zukunftsfragen:
- Werden Secondaries im Private-Markets-Bereich dadurch zu einem größeren Markt?
- Entstehen neue Plattformmodelle für Private Markets?
- Gilt die bisherige Logik „Größe gewinnt“ auch dann noch uneingeschränkt, wenn KI die Kosten für Informationsverarbeitung, Produktauswertung und Marktzugang drastisch senkt?
- Regulierung spricht für größere Plattformen. Was passiert, wenn KI gleichzeitig die Transaktionskosten senkt? Welche Kraft wird am Ende überwiegen?
- Wird der Illiquiditätsabschlag langfristig geringer – nicht weil die Assets liquider werden, sondern weil ihre Vermittlung effizienter wird?
Belastbare Antworten auf diese Fragen gibt es heute noch nicht. Gerade deshalb lohnt es sich, sie bereits jetzt zu stellen. Denn wenn sich Coases Überlegungen erneut bewahrheiten, beginnen strukturelle Veränderungen nicht erst dann, wenn sie offensichtlich geworden sind, sondern bereits dann, wenn sich die zugrunde liegenden ökonomischen Kräfte verschieben.
📌 Fazit:
Vieles spricht dafür, dass sich die Wirkung von KI in den Private Markets nicht auf bessere Analysen beschränken wird. Mindestens ebenso relevant dürfte ihr Einfluss auf die Transaktionskosten sein.
Sollte Ronald Coase recht behalten, wäre das weit mehr als eine technologische Entwicklung. Es wäre eine Veränderung der ökonomischen Kräfte, die die Struktur der Private Markets nachhaltig prägen.