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Statements zur aktuellen Situation am Pflegeimmobilienmarkt

Symbolbild Pflegeimmobilie Quelle: Gemini (KI)
Symbolbild Pflegeimmobilie Quelle: Gemini (KI)

Am 9. September 2026 tätigten Experten von JLL, Pecuria und ORIZN im Rahmen einer Online-Pressekonferenz Aussagen zur aktuellen Situation am Pflegeimmobilienmarkt. Hier Auszüge dieser Statements:

Peter Tölzel, Senior Director Healthcare Investment bei JLL

„Wir erwarten, dass der Healthcare-Investmentmarkt 2026 wieder oberhalb seines langjährigen Durchschnitts von rund zwei Milliarden Euro Transaktionsvolumen landen wird. Von einer vollständigen Rückkehr des Marktes kann man trotzdem noch nicht sprechen: Einzelne Großtransaktionen verzerren das Bild erheblich.“

„Der Pflegeimmobilienmarkt hat kein Nachfrageproblem, sondern ein Wirtschaftlichkeitsproblem. Damit wieder in größerem Umfang gebaut wird, muss mindestens einer von drei Hebeln wirken: niedrigere Baukosten, höhere refinanzierbare Mieten oder wirksame steuerliche Förderung.“

„Der Neubau von Pflegeheimen ist nicht zum Erliegen gekommen, er läuft nur auf kleinerer Flamme. Auch 2026 konnten Neubauten an institutionelle Investoren aus Deutschland verkauft werden. Das reicht bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken – zeigt aber, dass der Markt grundsätzlich noch funktioniert.“

Pascal Kleine, Geschäftsführer Pecuria

„Die Pflegeimmobilienbranche wartet nicht. Spezialisten schaffen auch unter den heutigen schwierigen Bedingungen neue Projekte. Das Problem ist vielmehr, dass sich viele klassische Bauträger und breit aufgestellte Investoren aus dem Segment zurückgezogen haben. Ohne Spezialisierung und tiefes Fachwissen ist Pflegeimmobilienentwicklung heute kaum noch darstellbar.“

„Bei der Versorgungslücke dürfen wir nicht nur auf fehlende Neubauten schauen. Gleichzeitig verschwinden ältere Pflegeheime aus dem Markt, weil sie technisch, regulatorisch oder wirtschaftlich nicht mehr zukunftsfähig sind. Wie groß dieser zusätzliche Ersatzbedarf tatsächlich ist, bleibt eine Blackbox.“

„Privatanleger haben bei Pflegeimmobilien derzeit einen entscheidenden Vorteil gegenüber institutionellen Investoren: Sie können steuerliche Anreize und Abschreibungsmöglichkeiten nutzen, die institutionellem Kapital so nicht zur Verfügung stehen. Dadurch lassen sich auch unter den schwierigen heutigen Rahmenbedingungen Neubauprojekte wirtschaftlich darstellen, die für institutionelle Investoren aktuell kaum funktionieren.“

Berthold Becker, Managing Partner ORIZN Investment

„Auf institutioneller Ebene findet der Neubau von Pflegeimmobilien derzeit praktisch nicht statt. Hohe Baukosten, teures Fremdkapital und vergleichsweise niedrige Verkaufsfaktoren verhindern, dass Machbarkeit gegeben sowie Risiken und Renditen zusammenpassen. Einzelne realisierte Projekte ändern nichts daran, dass wir den absehbaren Bedarf so nicht decken können.“

„Allein in der Pflege sehen wir gemäß dem anstehenden Pflegebedarf bis 2040 einen Investitionsbedarf von rund 100 Milliarden Euro. Rund 40 Milliarden Euro davon entfallen auf die Anpassung des bestehenden Immobilienbestands. Wir müssen also nicht nur zusätzliche Kapazitäten schaffen, sondern gleichzeitig einen erheblichen Teil des Bestands zukunftsfähig machen.“

„Wir diskutieren viel über zusätzliche Pflegekräfte – und zu wenig darüber, wie wir die vorhandenen Ressourcen effizienter einsetzen können. Digitalisierung und KI können gerade bei Administration, Dokumentation und Berichtswesen erhebliche Ressourcen freisetzen und Produktivität erhöhen. Dieser Hebel wird in der Pflege bislang – nicht zuletzt auf politischer bzw. regulatorischer Ebene durch mangelnde Refinanzierung – sträflich vernachlässigt.“

Peter Tölzel, Senior Director Healthcare Investment bei JLL
Peter Tölzel, Senior Director Healthcare Investment bei JLL (Bild: JLL)
Pascal Kleine, Geschäftsführer Pecuria
Pascal Kleine, Geschäftsführer Pecuria (Bild: Pecuria)
Berthold Becker, Managing Partner ORIZN Investment (Bild: ORIZN)
Berthold Becker, Managing Partner ORIZN Investment (Bild: ORIZN)

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