Höhere Zinsen, sinkende Immobilienbewertungen, Insolvenzen bei Projektentwicklern und Bestandshaltern, eine schwache Konjunktur und zunehmende regulatorische Anforderungen: Das Umfeld für gewerbliche Immobilienfinanzierungen bleibt angespannt. Auf einer von Rueckerconsult organisierten Online-Pressekonferenz diskutierten vier Branchenexperten, wie Immobilienfinanzierer im Hochrisikoumfeld 2026 agieren: Stefan Hoenen, Head of Commercial Real Estate bei der Hamburg Commercial Bank (HCOB), Sascha Baran, Geschäftsführer Debt & Structured Finance bei PTXRE, Torsten Hollstein, Geschäftsführer von CR Investment Management, sowie Michael Morgenroth, Gründer und CEO von CAERUS Debt Investments.
Prognostizierte Refinanzierungslücke ist Realität geworden
Nach Ende des Immobilienbooms haben mehrere Studien auf eine drohende Refinanzierungslücke bei Immobilien hingewiesen und den größten Gap für 2026 vorhergesagt. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer ist diese Lücke inzwischen Realität – wenn auch differenziert zu betrachten.„Die Refinanzierungslücke ist nicht bei Top-Produkten, aber in der Breite deutlich spürbar“, sagte Torsten Hollstein. Der Stress zeige sich vor allem in langwierigen Prolongationsprozessen und in erzwungenen Transaktionen. Mit Blick auf die Marktdynamik ergänzte er: „Die Problematik wird uns noch länger erhalten bleiben. Das U-Boot bleibt auch 2027 unter Wasser.“
Gleichzeitig betonten mehrere Teilnehmer, dass es sich nicht um eine klassische Kreditklemme handele. Michael Morgenroth: „Das, was rein wertmäßig verloren ist, das finanziert keiner, auch Kreditfonds nicht. Aber auf Basis aktueller Marktwerte gibt es durchaus reichlich Kapital. Nur eben nicht zu den Konditionen von früher.“
Auch Stefan Hoenen sieht keine generelle Zurückhaltung der Banken: „Es gibt eine relativ hohe Finanzierungsbereitschaft, sofern die Bonität des Kreditnehmers und die Objektqualität stimmen.“ Der Markt sei selektiver geworden, nicht restriktiver. Sascha Baran fasste zusammen: „Wir glauben nicht an große Verwerfungen. Die Story muss passen, das Asset muss verständlich sein, die Kapitaldienstfähigkeit stimmen.“








