Die MIPIM lässt sich inzwischen auch aus der Ferne verfolgen – über LinkedIn, Fotos und Wetterberichte aus Cannes. Während die Branche über Sonne und Regenschirme diskutiert, wächst im Hintergrund eine neue Real Asset-Klasse: Gebäude für Algorithmen.
Neulich fand wieder die MIPIM in Cannes statt.
Dass das so ist, kann auch für diejenigen als gesichert gelten, die nicht selbst vor Ort waren. Früher musste man tatsächlich anreisen, um zu erfahren, wie diese Branchenmesse verläuft. Heute genügt ein kurzer Blick auf LinkedIn. Während der vier Tage in Cannes entstand auch in diesem Jahr ein digitaler Live-Ticker der Messe und ihrer zahlreichen Nebenveranstaltungen.
Wetterbericht aus der Immobilienbranche
Zu sehen waren wieder Fotos von Meetings, kurze Marktanalysen, Selfies vor Messeständen, Restaurantbesuche – und erstaunlich viele Beiträge über das Wetter.
Denn besonders in diesem Jahr spielte das Wetter offenbar nicht nur eine Nebenrolle. Gerade die ersten Tage schienen eher unbeständig gewesen zu sein. Der Stimmung tat das den Bildern nach allerdings keinen spürbaren Abbruch. War es echte Resilienz der Messe-Teilnehmer oder doch eher professionell gepflegter Trotz der Gesamt-Branche?
Ganz fern liegt diese Frage nämlich dem Immobilienmarkt derzeit nicht. Auch dort ringt die Branche noch damit, ob sich bereits wieder tragfähiger Optimismus durchsetzt oder ob die alten Probleme weiter dominieren: Refinanzierungsfragen, Preisfindung, vorsichtigeres Kapital.
So wie das Wetter in Cannes zeigte sich zuletzt auch der Markt wechselhaft. Mal freundlicher, mal eingetrübter – mit gelegentlichen Aufhellungen am Horizont. Ein dauerhaftes Hochdruck-Gebiet scheint aber noch nicht durch die Branche zu ziehen.
Gebäude für Algorithmen statt für Angestellte
Während es also auch einmal regnete, lief auf LinkedIn der digitale Live-Ticker der MIPIM unbeirrt weiter. Die Timeline zeigte, wer sich traf, welche Themen diskutiert wurden – und, wie gesagt, wie das Wetter gerade war.
In den Zeitgeist passt sehr gut, dass die Immobilienbranche also ihre wichtigste Messe inzwischen zu einem erheblichen Teil über digitale Plattformen beobachtet. Tausende Beiträge, Fotos und Kommentare werden in Echtzeit veröffentlicht und konsumiert.
Damit all das funktioniert, braucht es eine Infrastruktur, die auch auf der MIPIM intensiv diskutiert wurde: Data Center.
Ein Blick in das Konferenzprogramm der Messe reichte, um zu sehen, wie präsent dieses Thema inzwischen ist. Rechenzentren hatten eigene Panels und eigene Diskussionsrunden – fast so selbstverständlich, wie früher Büro oder Logistik.
Man bekommt den Eindruck: Die Immobilienbranche hat eine neue Lieblingsassetklasse entdeckt.
Und das ist natürlich nicht grundlos. Allein im vergangenen Jahr wurden in den wichtigsten europäischen Rechenzentrums-Märkten rund 647 Megawatt neue Kapazität fertiggestellt – nahezu so viel, wie gleichzeitig wieder vom Markt aufgenommen wurde (625 Megawatt Nachfrage) (CBRE Research).
Getrieben wird diese Entwicklung vor allem von den großen Cloud- und Technologieunternehmen. Ihre eigenen Rechenzentrumsprojekte erreichen inzwischen Dimensionen von mehr als vier Gigawatt Kapazität in Europa – eine Größenordnung, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre (CBRE Research).
Das Epizentrum dieser Entwicklung liegt weiterhin in den bekannten Kernmärkten der Branche: Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin.
Man könnte also sagen: Während ein Teil der Branche vergangene Woche durch die Hallen in Cannes und in die anliegenden Restaurants einmarschierte, sorgt ein anderer Teil der Branche wiederum dafür, dass ihre LinkedIn-Posts überhaupt gespeichert, verteilt und abrufbar werden konnten.
Die Immobilienwelt baut damit zunehmend Gebäude, in denen keine Menschen arbeiten oder einkaufen, sondern Server Daten verarbeiten.
📌 Fazit:
Während die Branche ihre wichtigste Messe – und das Wetter – über soziale Netzwerke ausgiebig kommentiert, entsteht im Hintergrund eine Real Asset-Klasse, deren einzige Aufgabe darin besteht, genau diese Netzwerke am Laufen zu halten.