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Entscheidungslogik Infrastruktur: Tempo, Tiefe und Filter

Infrastrukturinvestments
Bild: 2IP/KI

Infrastruktur bleibt gesetzt – doch 2026 gewinnen Tempo, Tiefe und Filter in den Investitionsentscheidungen institutioneller Anleger nochmals deutlich an Bedeutung.

Institutioneller Baustein in der Real Asset-Kapitalanlage

Infrastruktur ist zu einem zunehmend relevanten Baustein der Real-Asset-Kapitalanlage institutioneller Anleger geworden. Treiber dieser Entwicklung ist ihre wachsende institutionelle Nutzbarkeit. Diese hat nicht nur die Marktteilnahme verbreitert, sondern vor allem die Professionalisierung der Entscheidungsprozesse vorangetrieben. In Gesprächen mit Investoren, Managern und Dienstleistern zeigt sich, dass Infrastruktur strategisch gesetzt ist, einzelne Investments jedoch deutlich intensiver geprüft werden als noch vor einigen Jahren.

Dabei geht es weniger um eine Neubewertung der Assetklasse als um eine Verschiebung von Tempo, Tiefe und Filter. Entscheidungen dauern länger, Analysen gehen tiefer, und die Hürden für ein Commitment sind klarer definiert. Infrastruktur ist institutionell nutzbar geworden – und wird genau deshalb strenger behandelt.

Vom Allokationsbeschluss zur Umsetzungsrealität

Die strategische Allokation ist in vielen Häusern entschieden. Die operative Umsetzung erfordert heute jedoch eine höhere Überzeugungskraft einzelner Transaktionen. Der Engpass liegt nicht im grundsätzlichen Willen zu investieren, sondern in der Frage, ob Struktur, Cashflow-Profil und Governance eines konkreten Assets den gestiegenen Anforderungen standhalten.

Investoren akzeptieren weniger implizite Annahmen. Erlösmechaniken, regulatorische Stabilität, Refinanzierungsfähigkeit und potenzielle Re-Investitionsbedarfe werden expliziter adressiert. Was früher eher durch Annahmen vorausgesetzt wurde, wird heute tiefgehender hinterfragt.

Mehr Differenzierung innerhalb der Infrastruktur

Diese Entwicklung führt zu einer stärkeren Segmentierung innerhalb der Assetklasse. Infrastruktur wird nicht pauschal bewertet, sondern nach ihrer jeweiligen Struktur. Regulierungsnahe, cashflow-stabile Assets bleiben gefragt, während komplexere Erlösmodelle, höhere Merchant-Exposures oder schwer kalkulierbare Re-Investitionszyklen intensiver diskutiert werden.

Dabei geht es nicht um eine grundsätzliche Ablehnung von Merchant-Exposure, sondern um ein klares Verständnis der damit verbundenen Chancen und Risiken – und um die Frage, ob diese angemessen bepreist und in der Struktur sinnvoll für den Anleger eingebettet sind.

Tempo, Tiefe und Filter als neue Entscheidungslogik

Die veränderte Entscheidungslogik lässt sich entlang drei Dimensionen beschreiben:

  • Tempo: Investitionsprozesse dauern länger, da mehr Szenarien und Abhängigkeiten geprüft werden.
  • Tiefe: Analysen reichen stärker in operative, regulatorische und finanzielle Details hinein.
  • Filter: Nicht jedes Investment, das strategisch passt, erfüllt automatisch die Umsetzungsanforderungen.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung liegt in der begrenzten Governance-Kapazität auf Anlegerseite. Infrastruktur erfordert laufende Steuerung, Entscheidungsfähigkeit und Ressourcen. Viele Anleger priorisieren daher stärker, welche Investments sie tatsächlich begleiten können und wollen.

Die Konsequenz ist eine bewusstere Auswahl und eine Reduktion paralleler Umsetzungen zugunsten höherer Qualität einzelner Engagements. Quantität tritt hinter Konsistenz und Steuerbarkeit zurück.

Für 2026 zeichnet ab, dass Infrastruktur noch selektiver und strukturorientierter eingesetzt wird. Investitionen dürften dort stattfinden, wo Cashflows, Governance und langfristige Investitionslogiken nachvollziehbar gut zusammenkommen. Infrastruktur als Asset Klasse ist zu einem institutionellen Baustein gereift – und damit auch in Struktur und Prozessen institutionell ernst zu nehmen.

📌 Fazit:

  • Infrastruktur ist strategisch etabliert.
  • Investitionsentscheidungen folgen einer neuen Logik aus Tempo, Tiefe und Filter.
  • Die Selektion erfolgt innerhalb der Assetklasse, nicht gegen sie.
  • Merchant-Exposure ist kein Ausschlusskriterium, erfordert jedoch transparente Risikoallokation, adäquate Bepreisung und eine saubere vertragliche Absicherung.
  • Governance- und Re-Investitionsfragen sind zentrale Entscheidungskriterien.

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