Vom Blind Spot zum Branchenstandard: über 5 Millionen Euro für Logistikbude
Das Dortmunder Tech-Unternehmen überzeugt führende Venture Capitalists mit seinem neuen Systemstandard für globale Lieferketten
Durch das Etablieren einer komplett neuen Softwarekategorie in der Systemlandschaft von Produktions-, Logistik- und Handelsunternehmen überzeugt die Logistikbude ein namhaftes Investorenkonsortium und erhält über 5 Millionen Euro in einer Series-A-Finanzierungsrunde. Das Dortmunder Tech-Unternehmen hat eine Softwarelösung entwickelt, mit der Unternehmen Ladungsträger wie Paletten, Behälter oder Gestelle einfach digital steuern können – und damit eine Herausforderung gelöst, mit der sich nahezu jedes Unternehmen entlang der Lieferkette herumschlägt. Mit dem frischen Kapital beschleunigt die Logistikbude die Automatisierung von Ladungsträgerprozessen massiv und treibt ihre Internationalisierung weiter voran. Lead-Investor ist Capnamic, einer der führenden Venture-Capital-Investoren in Europa. Daneben beteiligt sich Moguntia Capital, ein renommierter Supply Chain-Investor mit Private Equity- und US-Footprint. Auch die Bestandsinvestoren der Logistikbude – der Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds (FTTF), Rethink Ventures, der von der Fiege Familie ausgestattete Venture Capital Fonds (VC) XPRESS Ventures sowie Golzern – erhöhen ihr Engagement und bekräftigen damit ebenfalls ihr Vertrauen.
„Die Logistikbude hat das Potenzial, die Systemlandschaft globaler Lieferketten umzukrempeln und ein Category-Leader im B2B-Vertical-Software-As-A-Service-Bereich zu werden“, sagt Jörg Binnenbrücker, Managing Partner und Co-Founder von Capnamic. Dr. Nils Eiteneyer, Partner bei Capnamic, ergänzt: „Die Softwarelösung bildet eine neue Kategorie, die einen wesentlichen und gleichzeitig wenig digitalisierten Kostentreiber in den Prozessketten von Handel, Industrie und Logistik angeht. Wir sind begeistert von der tiefen Domainexpertise des Teams.“ Das Dortmunder Tech-Unternehmen verfolgt die Mission, die globale Verwaltung von Ladungsträgern, zum Beispiel von Europaletten, Gitterboxen oder Gestellen, zu revolutionieren.
10 Milliarden Ladungsträger – ein systemkritischer Blind Spot
Sie bilden das Rückgrat globaler Lieferketten: Weltweit sind rund 10 Milliarden Ladungsträger im Umlauf; jedes Jahr kommt es zu schätzungsweise 150 Milliarden Übergängen zwischen Unternehmen. Gleichzeitig sind Paletten, Behälter oder Gestelle keineswegs günstige Massenware – sie stellen gebundenes Kapital dar und verursachen bei Verlust, Beschädigung oder ineffizienter Nutzung erhebliche Kosten. Jeder einzelne Tausch erzeugt Buchungen, Saldenabgleiche, Abstimmungsprozesse und Dokumentation, häufig noch manuell oder fragmentiert über E-Mails, Excel-Listen und isolierte Systeme hinweg. Diese administrativen Aufwände treiben – neben dem gebundenen Kapital – die Gesamtkosten in die Höhe. Obwohl Ladungsträger für Industrie, Handel und Logistik systemkritisch und kostenrelevant sind, werden sie in bestehenden IT-Systemen trotzdem nur als Nebenprozess behandelt.
LCMS: Vom Nebenthema zur eigenen Softwarekategorie
„Genau hier setzen wir an“, sagt Dr. Philipp Hüning, Co-Founder und CEO der Logistikbude. „Unser Ziel ist es, das Ladungsträgermanagement vollständig zu automatisieren und damit den Unternehmen dieses Thema abzunehmen.“ Dafür definiert das Tech-Unternehmen eine gänzlich neue Softwarekategorie: Die Logistikbude ist das erste Load Carrier Management System (LCMS). „So wie ein Warehouse-Management-System (WMS) Unternehmen bei der Steuerung ihrer Lagerprozesse unterstützt und ein Transport Management System (TMS) ihre Transportabläufe organisiert, übernimmt ein LCMS das Management aller Paletten, Gestelle und Gitterboxen“, erklärt Hüning.
Dafür bündelt die Plattform Informationen aus bestehenden IT-Systemen wie WMS, TMS und Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Systemen. Gleichzeitig schließt sie bestehende Datenlücken, indem sie zusätzliche Informationen etwa über eine eigene App, Internet-of-Things-(IoT-)Sensoren oder die KI-gestützte Verarbeitung von Belegen integriert. Diese Daten bilden die Basis für die vollständige Automatisierung aller Prozesse rund um Ladungsträger. Die Kerntechnologie des LCMS dafür ist Künstliche Intelligenz (KI): Sie ermöglicht es, beliebige PDFs und Excel-Dokumente automatisiert auszulesen, zu verarbeiten und direkt zu verbuchen – ein bislang stark manueller und fehleranfälliger Prozess. Zudem prüft die KI externe Belege und gleicht sie mit eigenen Buchungen ab. „Dadurch automatisieren wir Arbeitsabläufe, die viele Mitarbeitende jedes Jahr hunderte Arbeitsstunden gekostet haben“, sagt Hüning.
Ausgründung mit einer klaren Mission
„„Als wir gemeinsam am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) gearbeitet haben, wurde uns schnell klar, wie komplex und ineffizient das Management von Ladungsträgern in vielen Unternehmen noch organisiert ist“, erzählt Michael Koscharnyj, Co-Founder und COO der Logistikbude. „Gleichzeitig waren bestehende Lösungen oft unnötig kompliziert und ließen viele neue technologische Möglichkeiten ungenutzt.“ Diese Beobachtung ließ das Gründerteam nicht mehr los: 2021 gründete Koscharnyj gemeinsam mit Dr. Philipp Hüning, Patrik Elfert und Jan Möller die Logistikbude. Seit der Ausgründung aus dem Fraunhofer IML hat sich das Unternehmen vom Tech-Start-up zu einem Anbieter entwickelt, der das Ladungsträgermanagement als eigenständige Softwarekategorie im Markt etabliert.
Internationalisierung und Standardisierung als nächste Wachstumsphase
Bereits 2023 konnte das Unternehmen im Rahmen einer Seed-Finanzierung überzeugen und erhielt über 2 Millionen Euro von verschiedenen VCs und Angel Clubs. Mit diesem Kapital entwickelte das Team die Lösung weiter, wuchs von 4 auf 25 Mitarbeitende und verbucht mittlerweile mehr als 50 Millionen Ladungsträger pro Monat für namhafte Kunden wie die Nagel-Group und DACHSER. Die Series-A-Finanzierung knüpft damit an eine Phase validierten Wachstums an und markiert nun den nächsten Meilenstein in der Wachstumsgeschichte der Logistikbude. „Mit dem frischen Kapital skalieren wir unser LCMS international und bauen unsere Führungsposition in dieser neu entstehenden Softwarekategorie konsequent aus. Damit etablieren wir das LCMS als festen Bestandteil in der B2B-Systemlandschaft über den DACH-Raum hinaus“, erklärt Koscharnyj.