Statement zur heutigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Die EZB sieht in ihrer heutigen Sitzung erwartungsgemäß von einer Leitzinserhöhung ab. Die Gemengelage im Nahen Osten bleibt weiterhin komplex und damit bleibt auch unklar, wie lange die Straße von Hormus für den internationalen Handel blockiert sein wird und von welchem Ausmaß und von welcher zeitlichen Dauer die Auswirkungen für die Weltwirtschaft und Preisentwicklungen sein werden.
Die Anstiege bei den Inflationsraten sind seit der militärischen Eskalation im Nahen Osten bisher auf den direkten Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise zurückzuführen. In der Kerninflationsrate spiegeln sich die Preisanstiege bis jetzt nicht wider. Allerdings sind die Inflationserwartungen der Konsumenten bereits angestiegen. Diese Indikatoren wird die EZB weiterhin eng im Blick behalten und ihre Strategie eines datenbasierten Handelns fortsetzen.
Gerade bei einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus dürfte die EZB im weiteren Jahresverlauf die Leitzinsen anheben, da dann auch die Risiken für Zweitrundeneffekte zunehmen. Im Unterschied zur Situation im Jahr 2022 dürften die preistreibenden Effekte von der Nachfrageseite auf Grund der konjunkturellen Gesamtsituation und der Lage am Arbeitsmarkt allerdings geringer ausfallen.
An den Kapitalmärkten sind die Zinsen bereits in den letzten Wochen angestiegen und Leitzinserhöhungen eingepreist worden, so dass bei langfristigen Immobilienfinanzierungen von den zu erwartenden Leitzinsanhebungen keine zusätzlichen Effekte ausgehen sollten.