Ein Marktkommentar von Jürgen Michael Schick
Geopolitische Unsicherheit, höhere Energiepreise und die wachsende Staatsschuldenproblematik prägen derzeit die Kapitalmärkte. Für Investoren stellt sich damit erneut die Frage, welche Anlageklassen Stabilität bieten. Wohnimmobilien und Wohn- und Geschäftshäuser bleiben in diesem Umfeld attraktiv – für private wie institutionelle Anleger.
Sie stehen für reale Substanz, laufende Erträge und langfristige Sicherheit. Gleichzeitig verlieren klassische „Safe Assets“ wie Staatsanleihen an Selbstverständlichkeit. Prof. Friedrich Heinemann ordnet dies so ein: „Bundesanleihen galten normalerweise als sicherer Hafen. Jetzt erleben wir eher das Gegenteil. Es gibt einen Vertrauensverlust in klassische Safe Assets.“
Immobilien rücken als sicherer Hafen in den Blick
Die Renditen von Bundesanleihen sind zwischenzeitlich auf rund drei Prozent gestiegen. Gleichzeitig nimmt Deutschland deutlich mehr Schulden auf. „Das hohe Angebot an Staatsanleihen spricht dafür, dass die Renditen nicht kurzfristig auf frühere Niveaus zurückfallen werden. Die Zeit der Vor-Corona-Zinsen ist vorbei“, sagt Prof. Heinemann.
Damit verändert sich die relative Attraktivität der Anlageklassen. Immobilien, insbesondere Wohnimmobilien, gewinnen für Anleger an Bedeutung, die Sicherheit, Planbarkeit und Substanz suchen. Sie verbinden reale Werte mit laufenden Erträgen und können in einem unsicheren Umfeld eine stabilisierende Funktion übernehmen.
Inflation kann Wohnimmobilien stützen
Auch die Inflationsentwicklung spricht nicht gegen Wohnimmobilien. Höhere Energiepreise wirken in viele andere Preise hinein – etwa über Transport, Landwirtschaft und Lebensmittel. Prof. Heinemann beschreibt diesen Effekt so: „Die fossilen Energiepreise fressen sich in andere Preise hinein. Auch wenn der Krieg schnell zu Ende geht, bildet sich dieser Druck nicht sofort zurück.“
Für Wohnimmobilien ist Inflation ambivalent, aber nicht zwingend negativ. Zwar verteuern höhere Zinsen die Finanzierung. Gleichzeitig können inflationäre Entwicklungen langfristig zu steigenden Mieten und höheren Wiederherstellungskosten führen. Immobilien bleiben reale Vermögenswerte und sind damit weniger direkt vom Geldwertverlust betroffen als nominale Anlagen.
Private Investoren denken langfristiger
Klaus Schmitt, CEO von Domicil: „Die Auswirkungen des aktuellen Umfelds unterscheiden sich deutlich zwischen privaten und institutionellen Investoren. Institutionelle Anleger reagieren stärker auf Zinsbewegungen, Bewertungsfragen und auslaufende Finanzierungen. Private Investoren betrachten Wohnimmobilien dagegen häufig langfristiger.“
Klaus Schmitt betont: „Der private Investor sieht es anders. Ja, die Zinsen verteuern das Investment, aber sie sind nicht allein maßgebend. Sicherheit in unsicheren Zeiten, steuerliche Aspekte und steigende Mieten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.“
„Viele Anleger möchten zudem nicht mehr nur indirekt über Fonds investieren, sondern selbst entscheiden, in welche Objekte und Standorte sie Kapital geben“, so Schmitt. Das stärkt die Bedeutung direkter Wohnimmobilieninvestments.
Wohn- und Geschäftshäuser profitieren zusätzlich
Auch Wohn- und Geschäftshäuser bleiben attraktiv. Sie verbinden wohnwirtschaftliche Stabilität mit zusätzlichen Ertragspotenzialen aus gewerblichen Flächen. Gerade in etablierten Lagen können sie für Anleger interessant sein, die langfristige Substanzwerte und Diversifikation suchen.
Aus geopolitischer Sicht ergibt sich eine positive Perspektive auf die Assetklasse Immobilien. Wir erleben das auch im Wohn- und Geschäftshaussegment – auch international.
Deutschland wird trotz wirtschaftlicher Schwäche weiterhin als rechtsstaatlich stabiler Markt wahrgenommen. Das stärkt die Nachfrage nach deutschen Wohnimmobilien – auch von internationalen Anlegern.
Kurzfristige Krisen ändern nichts am langfristigen Bild
„Der aktuelle Iran-Konflikt und andere geopolitische Risiken führen kurzfristig zu Unsicherheit und abwartendem Verhalten. Langfristig bleiben jedoch die strukturellen Faktoren entscheidend: Wohnraumnachfrage, Knappheit, Inflationsschutz, steuerliche Rahmenbedingungen und die Suche nach sicheren realen Vermögenswerten“, so Schmitt.
Heinemann ordnet den Iran-Konflikt entsprechend ein: „Der Iran-Konflikt ist temporär. Beide Seiten wollen aus dem Krieg heraus. Inflationssorgen sind eher Rückenwind für den Immobilienkauf.“
Diversifikation wird wichtiger
Deutschland bleibt wirtschaftlich herausfordernd. Deindustrialisierung, demografischer Wandel und Arbeitsplatzunsicherheit belasten den Standort. Zudem achten Banken stärker auf Energieeffizienz; viele Bestandsimmobilien sind von den besten Energieklassen noch weit entfernt.
Für Anleger bedeutet das: Nicht jede Immobilie und nicht jeder Standort sind gleichermaßen attraktiv. Entscheidend werden Objektqualität, Energieeffizienz, Mikrolage und wirtschaftliche Diversifikation. Klaus Schmitt formuliert es so: „Der Diversifikationsaspekt ist entscheidend. Assets sollten nicht vom eigenen Einkommen abhängen.“
Fazit: Wohnimmobilien bleiben ein stabiler Baustein
Wohnimmobilien und Wohn- und Geschäftshäuser bleiben in einem Umfeld aus geopolitischer Unsicherheit, höheren Energiepreisen, Inflation und steigenden Staatsschulden attraktiv. Sie bieten reale Substanz, laufende Erträge, steuerliche Vorteile und langfristige Sicherheit.
Kurzfristige Krisen verändern die Rahmenbedingungen, aber nicht die grundlegende Stärke der Assetklasse. Gerade langfristig orientierte Anleger können von Wohnimmobilien profitieren – vorausgesetzt, sie achten auf Standortqualität, Energieeffizienz, Finanzierungsstruktur und Diversifikation.