Strompreisschock am Sommerabend: Wie Batteriespeicher die Hitzeflaute entschärfen könnten

Bild: 2ICP

Die Energiewende macht den Strommarkt wetterabhängiger. Bekannt ist die Dunkelflaute: wenig Wind, wenig Sonne, hoher Bedarf an konventioneller Erzeugung, Importen oder Speichern. Sie tritt vor allem im Winter auf.

Die Hitzeflaute ist das sommerliche Gegenstück – aber mit eigener Dynamik. Tagsüber liefern Solaranlagen viel Strom. Gleichzeitig weht kaum Wind. Die zweite große Säule der erneuerbaren Stromproduktion fällt damit weitgehend aus. Hinzu kommt: Hitze treibt den Stromverbrauch nach oben. Klimaanlagen, Kühlung, Lüftung und industrielle Kälteprozesse laufen auf Hochtouren.

Kritisch wird es am Abend. Dann sinkt die Solarproduktion schnell, der Wind bleibt schwach, aber der Kühlbedarf ist weiter hoch. Das Stromsystem kippt innerhalb weniger Stunden von Solarüberschuss in Knappheit.

Das Chart zur Woche 26/2026 zeigt dieses Muster deutlich. Zwischen dem 23. und 26. Juni steigt die erneuerbare Erzeugung tagsüber stark an. Vor allem die Photovoltaik sorgt mittags für ein hohes Stromangebot. Die Preise bleiben in diesen Stunden vergleichsweise gedämpft.

Am Abend dreht sich das Bild. Die Solarleistung fällt steil ab. Windstrom steht nur begrenzt zur Verfügung. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch. Genau dann springen die Börsenstrompreise nach oben. Besonders sichtbar sind die Preisspitzen am 23., 24. und 25. Juni.

Entscheidend ist: Es herrscht keine ganztägige Stromknappheit. Die Knappheit konzentriert sich auf wenige Abendstunden. Aber genau diese Stunden setzen starke Preissignale. Der Strom ist mittags reichlich vorhanden – und abends teuer. Das ist das Kernproblem einer Hitzeflaute.

Warum entstehen diese Preisspitzen?

Der wichtigste Begriff ist die Residuallast. Sie beschreibt den Strombedarf, der nach Abzug von Solar- und Windstrom übrig bleibt. Mittags ist diese Residuallast niedrig, weil viel Solarstrom im Netz ist. Abends steigt sie sprunghaft, weil die Sonne wegfällt.

Diese Rampe muss ausgeglichen werden – durch flexible Kraftwerke, Speicher, Importe oder Lastverschiebung. Fehlt Flexibilität, müssen teure Spitzenlastkraftwerke einspringen. Im Strommarkt bestimmt häufig das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis. Wenn solche Kraftwerke nur wenige Stunden laufen, müssen sie ihre Anfahr- und Betriebskosten auf kurze Einsatzzeiten verteilen. Das treibt die Gebote zusätzlich nach oben.

Die Preisspitze ist also kein Zufall. Sie entsteht aus drei Faktoren:

  • viel Solarstrom zur falschen Zeit,
  • wenig Wind und
  • hoher Kühlbedarf am Abend.

Was BESS leisten können: Batterie-Energiespeichersysteme — BESS — setzen genau an dieser Lücke an. Sie speichern günstigen Strom in den Mittagsstunden und geben ihn am Abend wieder ab. Damit verschieben sie Energie vom Überfluss in die Knappheit.

Somit senken sie die abendliche Residuallastspitze. Teure Spitzenlastkraftwerke werden seltener gebraucht oder aus der Preisbildung gedrängt. Das glättet den Strompreis und reduziert extreme Ausschläge — das „Preisbrett“ am Abend wird flacher.

Für Stromkunden hat das durchaus konkreten Nutzen. Kunden mit dynamischen Tarifen können günstige Solarstunden besser nutzen und teure Abendstunden vermeiden. Industrie- und Gewerbekunden können von planbareren Beschaffungskosten profitieren.

Die Hitzeflaute zeigt: Mehr erneuerbare Erzeugung allein reicht nicht. Das Stromsystem braucht Flexibilität. Batteriespeicher sind dafür geeignete Bausteine.

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