Analysis

ALTAROC ANALYSE: Private Equity – Sektorrotation statt breiter Marktschwäche

Louis Flamand, Chief Investment Officer beim Private-Equity-Spezialisten Altaroc Partners. Bildquelle: Altaroc Partners
Louis Flamand, Chief Investment Officer beim Private-Equity-Spezialisten Altaroc Partners. Bildquelle: Altaroc Partners

Louis Flamand, CIO beim Private-Equity-Spezialisten Altaroc Partners, zum aktuellen Marktbild.

Altaroc Analyse – Q2 2026 Private Equity Environment Review

Private Equity – Sektorrotation statt breiter Marktschwäche

 

 

Das erste Halbjahr 2026 stellte den Private-Equity-Markt vor eine doppelte Bewährungsprobe. Makroökonomische Volatilität infolge der anhaltenden Inflation und des geopolitischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran traf auf eine Neubewertung des Softwaresektors angesichts der Fortschritte bei künstlicher Intelligenz. Die Dynamik aus der zweiten Jahreshälfte 2025 wurde dadurch teilweise gebremst, die Private-Equity-Aktivität setzte sich jedoch auf einem soliden Niveau fort.

Nach Einschätzung von Louis Flamand, Chief Investment Officer beim europäischen Private-Equity-Spezialisten Altaroc Partners, konzentriert sich die Abschwächung auf einzelne Segmente und ist kein Zeichen für eine allgemeine Schwäche der Anlageklasse. Große Transaktionen in den USA und der Softwaresektor stehen unter Druck, während die Aktivität in anderen Branchen und Regionen zunimmt. Zugleich belebt sich der Exit-Markt allmählich.

Bewertungsabstand zu öffentlichen Märkten deutlich ausgeweitet

Die durchschnittlichen Einstiegsmultiples im Buyout-Segment lagen im ersten Halbjahr 2026 bei 10,5x EV/EBITDA, nach 11,5x im Gesamtjahr 2025. Dem steht ein Multiple von 17,6x für den S&P 500 gegenüber. Die Bewertungen am öffentlichen Markt liegen damit rund 68 % über den durchschnittlichen Buyout-Einstiegsmultiples – nahezu doppelt so viel wie der Zehnjahresdurchschnitt von 37 %. Selbst ohne die „Magnificent 7“ liegt der S&P 500 mit 16,1x noch rund 53 % über dem Buyout-Niveau.

Dieser Vergleich ist allerdings differenziert zu betrachten. Der Rückgang der durchschnittlichen Buyout-Multiples ist teilweise auf die geringere Aktivität im traditionell höher bewerteten Softwaresektor zurückzuführen. Die 10,5x sind daher nicht repräsentativ für die Preise, die für hochwertige Technologieunternehmen gezahlt werden. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass sich der Bewertungsabstand zwischen öffentlichen und privaten Märkten deutlich ausgeweitet hat.

Für disziplinierte und selektive Manager kann dieses Umfeld nach Einschätzung von Flamand attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten.

Sektorrotation statt flächendeckender Strukturkrise

Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung im US-Softwaremarkt. Das Buyout-Volumen sank dort im ersten Halbjahr von 36 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 9 Milliarden US-Dollar. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Zahl der Transaktionen mit 87 gegenüber 93 Deals vergleichsweise stabil blieb. Zurückgegangen sind vor allem die großen Transaktionen.

Hauptgrund für den Rückgang ist die Neubewertung der Wachstumsaussichten von Softwareanbietern im Zeitalter der KI. Die anfängliche Sorge, künstliche Intelligenz könne etablierte Softwareanbieter generell verdrängen, ist einer differenzierteren Diskussion gewichen: Welche Geschäftsmodelle können ihr Wachstum fortsetzen – und welche Bewertungsmultiples sind dafür noch gerechtfertigt? In weiten Teilen des Sektors sind die operativen Kennzahlen bislang stabil geblieben. Die Unsicherheit über die Bewertung bremst derzeit stärker als eine Verschlechterung der Fundamentaldaten.

Gleichzeitig wird Kapital in andere Bereiche umgeschichtet. Das US-Buyout-Volumen im Energiesektor erreichte im ersten Halbjahr 60 Milliarden US-Dollar, nach 40 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Parallel steigt der Infrastrukturbedarf für den wachsenden Energie- und Rechenbedarf rund um KI. Der im Report zitierte prognostizierte Strombedarf für KI in den USA steigt von 7 Gigawatt im Jahr 2025 auf 57 Gigawatt im Jahr 2030.

Auch regional verlagert sich die Aktivität. Während das gesamte US-Buyout-Volumen im ersten Halbjahr um 22 % zurückging, legte Europa um 14 % auf 68,8 Milliarden Euro zu. Allerdings ist der europäische Aufschwung stark polarisiert: Getragen wird das Plus fast ausschließlich von Großtransaktionen. Das Large-Cap-Segment lag im zweiten Quartal 61 % über seinem Fünfjahresdurchschnitt, während der Mid-Market in Europa mit 43 % deutlich unter seinem Fünfjahresschnitt blieb.

In Asien erreichte das Private-Equity-Investitionsvolumen allein im zweiten Quartal 55 Milliarden US-Dollar, 181 % mehr als im Vorjahresquartal. Dieser Anstieg war stark von China geprägt, wo die drei größten KI-Plattformen allein rund 40 % der Quartalsaktivität ausmachten.

Nach Einschätzung von Flamand ist der Rückgang im Buyout-Markt damit konzentriert und nicht flächendeckend. Er konzentriert sich auf die USA, wo er vor allem auf den Rückgang großer Transaktionen und eine sektorale Rotation zurückzuführen ist. Europa und Asien gewannen dagegen an Dynamik.

Liquidität baut sich wieder auf – Ausschüttungen bleiben das Nadelöhr

Auch auf der Exit-Seite hat sich das Umfeld verbessert. Das weltweite M&A-Exit-Volumen PE-finanzierter Unternehmen erreichte im ersten Halbjahr 450 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 16 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Fortsetzung dieses Tempos würde 2026 beim Exit-Volumen zum zweitstärksten Jahr nach 2021.

Gleichzeitig zeigt der IPO-Markt wieder Bewegung. Das Rekordvolumen des ersten Halbjahres ist zwar durch den außergewöhnlich großen SpaceX-Börsengang verzerrt, auf den allein 86 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 68 % des gesamten Volumens entfielen. SpaceX ist kein Buyout-Asset, sondern ein Unternehmen, das an den privaten Märkten von Venture-Capital- und Growth-Equity-Fonds finanziert wurde. Pathway ordnet das Unternehmen dennoch der Anlageklasse Private Equity im weiteren Sinne zu. Bereinigt um diese Transaktion war das zweite Quartal dennoch das aktivste Quartal für PE-finanzierte Börsengänge seit Ende 2021.

Hinzu kommt der Sekundärmarkt als dritte Liquiditätsquelle. Mit einem globalen Transaktionsvolumen von 118 Milliarden US-Dollar erreichte er im ersten Halbjahr einen neuen Halbjahresrekord und lag 15 % über dem Vorjahreswert. GP-led-Transaktionen machten 53 %, LP-Transaktionen 47 % des Volumens aus.

Auch die bei Exits realisierten Bewertungen haben sich weiter verbessert. Bei den von Pathway ausgewerteten Buyout-Investments lag der durchschnittliche Bewertungsaufschlag bei Exits im ersten Quartal 2026 bei 9,8 % gegenüber der Bewertung ein Jahr vor dem Verkauf. 2023 hatte dieser Wert noch bei 3,1 %, 2024 bei 5,2 % und 2025 bei 7,4 % gelegen.

Das Nadelöhr bleiben jedoch die tatsächlichen Rückflüsse an Investoren. Ausschüttungen steigen zwar im dritten Jahr in Folge, reichen aber weiterhin nicht aus, um den in den vergangenen Jahren aufgebauten Bestand nicht realisierter Beteiligungen deutlich abzubauen. Im Referenzportfolio von Pathway lag die annualisierte Ausschüttungsquote im ersten Halbjahr 2026 bei 14,3 %, nach 18,9 % im Gesamtjahr 2025, und damit weiterhin unter ihrem langfristigen Durchschnitt.

Eine weitere Normalisierung der Ausschüttungen könnte deshalb einen wichtigen Impuls für die weitere Marktaktivität geben. Rückfließendes Kapital würde Investoren mehr Spielraum für neue Commitments geben und damit einen der Faktoren adressieren, die derzeit auf Fundraising und Investitionstätigkeit lasten.

Selektivität gewinnt an Bedeutung

Das erste Halbjahr 2026 zeigt daher wachsende Unterschiede innerhalb der Anlageklasse und keine flächendeckende Schwäche. Die Bewertungslücke zwischen börsennotierten und privaten Märkten hat sich ausgeweitet, das Kapital hat sich zwischen Sektoren und Regionen verlagert und die Exits haben angezogen.

Nach Einschätzung von Altaroc dürfte in diesem Umfeld auch die Ertragsspreizung weiter zunehmen. Insbesondere im Softwaresektor könnten Unternehmen mit differenzierten proprietären Daten, tief integrierten Workflows und starken Kundenbeziehungen profitieren. Gleichzeitig integrieren Private-Equity-Manager zunehmend KI-Anwendungen in ihre Portfoliounternehmen und überprüfen ihre operativen Strategien vor dem Hintergrund des technologischen Wandels. Solche Unternehmen stehen im Fokus der Fondsmanager, in deren Fonds Altaroc investiert.

Damit rückt die Differenzierung zwischen Unternehmen und Managern stärker in den Vordergrund. Für disziplinierte und selektive Private-Equity-Manager bietet das aktuelle Umfeld nach Einschätzung von Altaroc attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Ob daraus bereits im zweiten Halbjahr eine breitere Erholung entsteht, dürfte jedoch maßgeblich davon abhängen, ob sich die Bewertungen im Softwaresektor stabilisieren und die makroökonomische Unsicherheit weiter zurückgeht.

Quellen: 
Pathway Capital 2Q26 Environment Report; Mergermarket; LSEG Data & Analytics; MSCI Private Capital Solutions; Bloomberg; Software Equity Group; Renaissance Capital; Jefferies; Bain & Co.; TPH & Co.

Die Daten entsprechen dem Stand vom 30. Juni 2026, sofern nicht anders angegeben. Die Einschätzung der Verwaltungsgesellschaft entspricht dem Stand zum Zeitpunkt der Erstellung und kann sich jederzeit ändern.

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