Sollte sich der Wettbewerbsvorteil durch KI von der Informationsbeschaffung hin zur Informationsverarbeitung verlagern, könnte sich auch der Wettlauf um Alpha – und damit um Anlegergelder – grundlegend verändern.
In den vergangenen Tagen wurde viel darüber diskutiert, ob das chinesische KI-Modell Kimi K3 der nächste „DeepSeek-Moment“ sei. Die Debatte drehte sich dabei vor allem um eine Frage: Gelingt es China, im Wettlauf um die leistungsfähigste künstliche Intelligenz zu den USA aufzuschließen?
China scheint jedoch – zumindest derzeit – eine andere Strategie zu verfolgen. Während die USA enorme Summen in immer leistungsfähigere Modelle, Rechenzentren und Chips investieren, scheint China stärker darauf zu setzen, künstliche Intelligenz möglichst schnell und kostengünstig in den Alltag von Unternehmen und Menschen zu integrieren.
Aus der Beobachtung, dass es sich hierbei um eine ökonomisch andere Strategie handelt, KI nicht nur leistungsfähiger, sondern möglichst breit nutzbar zu machen, lassen sich interessante Schlussfolgerungen ziehen. Denn der Gedanke, dass Diffusion am Ende wichtiger sein könnte als Innovation, verändert möglicherweise nicht nur Volkswirtschaften – sondern auch unsere Industrie.
Im Real-Asset-Management wird Wettbewerb bislang traditionell über Informationsvorsprünge erklärt. Besseres Research. Exklusive Netzwerke. Früher Zugang zu Transaktionen. Off-Market-Deals. Die implizite Annahme lautet: Wer bessere Informationen besitzt oder die besseren Objekte findet, erzielt langfristig Alpha.
Doch was passiert, wenn künftig nahezu jeder Marktteilnehmer Zugriff auf leistungsfähige KI-Systeme besitzt? Wie stark unterscheiden sich Wettbewerber dann überhaupt noch, wenn der eine zwar über 100 Prozent und der andere immerhin über 80 Prozent der relevanten Informationen verfügt? Je ähnlicher das Informationsniveau wird, desto eher entsteht der entscheidende Wettbewerbsvorteil möglicherweise nicht mehr aus der Information selbst, sondern aus ihrer Verarbeitung im Investmentprozess.
Die folgende Abbildung skizziert diese mögliche Verschiebung des Wettbewerbs.
KI könnte Informationen nicht entwerten. Sie könnte vielmehr ihre Quelle der Wertschöpfung verlagern. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil läge dann nicht mehr primär darin, bessere Informationen zu besitzen, sondern vorhandene Informationen schneller, konsistenter und intelligenter in Entscheidungen zu übersetzen.
Das ist eine grundlegend andere Perspektive auf Information. Sie entzaubert den Mythos des genialen Deal Sourcers und macht deutlich, dass der Wettbewerb künftig nicht mehr primär zwischen Objekten, sondern innerhalb der Organisation entschieden wird.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, wer das bessere Objekt findet. Sondern wer Due Diligence, Asset Management, Finanzierung, ESG, Risikomanagement und Fondssteuerung am effizientesten miteinander verknüpft. Wer Informationen schneller verarbeitet und konsequenter in Entscheidungen übersetzt, wird selbst bei einem leichten Informationsnachteil häufiger zu besseren Ergebnissen gelangen.
Dazu gehört auch, Risiken früher zu erkennen. KI kann Erkenntnisse aus einem Bereich automatisch in den nächsten übertragen und dadurch den gesamten Investmentprozess robuster und konsistenter machen.
Nicht das einzelne Asset würde dadurch intelligenter.
Sondern die Organisation dahinter.
Damit verschiebt sich möglicherweise auch die Quelle des Alpha. Eben nicht weil KI spektakulärere Investments identifiziert. Sondern weil sie über tausende Entscheidungen hinweg Fehler reduziert, Risiken früher sichtbar macht und vorhandene Informationen konsequenter nutzbar macht.
Der Wettlauf um Alpha – und damit letztlich auch um Anlegergelder – könnte sich damit verschieben, ohne dass wir es bislang bereits richtig bemerken.
📌 Fazit:
Aus dem Wettlauf von China um die schnellste Verbreitung von KI lassen sich Erkenntnisse für die Zukunft institutioneller Real Asset Fonds erzielen:
- Nicht der Wettbewerb um die beste Information dürfte die Investmentindustrie verändern (Informationsvorsprung).
- Sondern der Wettbewerb darum, Informationen in den besseren Investmentprozess zu übersetzen (Diffusionsvorsprung).
Dann findet die eigentliche KI-Revolution im Investmentprozess statt.