Analysis

Gestrichene Einspeisevergütung: Gesetzesvorschlag von Katherina Reiche würde neun von zehn PV-Anlagen deutschlandweit treffen

Nach dem neuen Gesetzesvorschlag der Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche hätten neun von zehn der jetzigen PV-Anlagen keine Einspeisevergütung erhalten. Das geht aus einer Analyse von Aroundhome, der unabhängigen Vermittlungsplattform von Fachfirmen für Hausprojekte (www.aroundhome.de), hervor. Für die Untersuchung wurden insgesamt mehr als fünf Millionen Einheiten aus dem Marktstammdatenregister analysiert und alle PV-Anlagen mit weniger als 25 Kilowatt installierter Leistung extrahiert. Untersucht wurde dabei der Grundbestand von PV-Anlagen natürlicher Personen in deutschen Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern.

Kleine PV-Anlagen sammeln sich in der Hauptstadt

In Berlin hätten bestehende PV-Anlagen am häufigsten keine Einspeisevergütung erhalten: Lediglich 0,5 Prozent der Anlagen liegen über der 25-kW-Grenze. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Dresden, Bonn und Wolfenbüttel, wo jeweils nur rund 0,6 Prozent der Anlagen die neue potenzielle Mindestleistung erbringen. In Jena, Sankt Augustin und Leipzig liegt dieser Anteil bei etwa 0,8 Prozent. Dahinter folgen mehrere Städte mit knapp 0,9 Prozent. Darunter sind Duisburg, Potsdam und München. Am anderen Ende der Liste stehen kleinere Städte: In Ravensburg würden noch 7,2 Prozent der bestehenden Anlagen sowohl nach bisheriger Regelung als auch nach dem aktuellen Vorschlag von einer Einspeisevergütung profitieren. In Ahlen wären es 6,6 Prozent und in Dorsten 6,4 Prozent.

Stadtstaaten am meisten betroffen

Neben Berlin weisen auch die beiden Stadtstaaten Hamburg (1,1 Prozent) und Bremen (1,4 Prozent) nur einen sehr geringen Anteil an PV-Anlagen mit mindestens 25 kW installierter Leistung auf. Dahinter folgen Sachsen und das Saarland auf den Rängen vier und fünf mit Anteilen von 2,1 und 2,2 Prozent. Deutlich höher fällt der Anteil hingegen in Bayern und Schleswig-Holstein aus: Dort hätten noch 7,8 beziehungsweise 6,6 Prozent der Anlagen eine Einspeisevergütung bekommen. In Niedersachsen läge der Wert bei rund sechs Prozent. Bundesweit ergibt sich daraus ein Durchschnitt von nur etwa 3,5 Prozent der untersuchten Anlagen.

So sieht es in der Heimat der Politiker aus

Ein Blick in die Heimat- und Wahlkreisregionen deutscher Spitzenpolitiker zeigt, wie stark ihre eigene Wählerschaft von der geplanten Regelung betroffen wäre. In Potsdam, dem Wahlkreis von Katherina Reiche, wären mehr als 99 Prozent der PV-Anlagen unter der neuen Regelung nicht berücksichtigt worden – damit zählt die Stadt zu den am stärksten betroffenen Regionen. Ähnlich sieht es in der Heimatregion von Philipp Amthor aus: In Greifswald stellen nur 3,2 Prozent der PV-Anlagen die erforderliche Leistung bereit. Auch im Wahlkreis von Bundeskanzler Friedrich Merz in Nordrhein-Westfalen erzielen mehr als 95 Prozent der Anlagen nicht den Grenzwert.

„Die geplante Streichung der Einspeisevergütung ist nach dem aktuellen Vorschlag nur für neuinstallierte Anlagen geplant. Die Analyse zeigt jedoch, dass Anlagen über 25 Kilowatt für private Eigentümer kaum eine Rolle spielen. Zukünftige Betreiber müssen damit potenziell auf mehrere hundert Euro Einnahmen pro Jahr verzichten. Die Direktvermarktung ist als Alternative wirtschaftlich attraktiv, kann aktuell aufgrund fehlender Smart Meter und des hohen bürokratischen Aufwands aber nicht flächendeckend in Anspruch genommen werden. Zu viele Netzbetreiber sowie unterschiedliche Anforderungen machen sie für kleine Anlagen unattraktiv“, sagt Jannis Mischke, Experte für „Energieeffizientes Wohnen“ bei Aroundhome. „PV-Anlagen sind kein politisches Instrument, sondern bleiben mit oder ohne Einspeisevergütung der effektivste Weg in die eigene Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen. Die Investition zahlt sich langfristig mit direkten Einsparungen aus, ist klimafreundlich und steigert den Wert der eigenen Immobilie signifikant.“

#Newsletter: Bleibe auf dem Laufen

Melde Dich zum Newsletter an und lasse Dich von uns regelmäßig zu den neuesten Themen informieren.

Jetzt anmelden