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Zellchemie bei BESS‑Anlagen – Entwicklungen bei Technologie, Lieferzeiten und Kosten

Großbatteriespeicher auf dem Vormarsch (Bild: 2ICP/AdobeStock)
Großbatteriespeicher sind auf dem Vormarsch (Bild: 2ICP/AdobeStock)

Während institutionelle Immobilienanleger vor allem die Entwicklung von Baukosten und Materialpreisen im Blick haben, konzentrieren sich Infrastrukturanleger stärker auf die Kosten und Eigenschaften der eingesetzten Anlagentechnologien. Bei großskaligen Batteriespeichersystemen (BESS) spielt der technologische Fortschritt der Zellchemie eine deutlich größere Rolle – insbesondere im Zusammenspiel von Kosten, Leistungsfähigkeit und Lebensdauer.

Es lohnt sich daher, bei Investitionsentscheidungen die technologischen Spezifikationen zu beleuchten.

Warum LFP aus Betreiber‑ und Anlegersicht (noch) State of the Art ist

Lithium‑Eisenphosphat‑Zellen (LFP) haben sich bis heute als führende Zellchemie sowohl für großskalige BESS‑Anlagen als auch für batterieelektrische Fahrzeuge etabliert. Ausschlaggebend dafür ist eine Kombination aus:

  • hoher Sicherheit,
  • günstiger Rohstoffbasis,
  • stabiler, global breit verfügbarer Lieferkette,
  • sowie technologischer Reife.

Marktanalysen von BloombergNEF zeigen, dass der steigende LFP‑Anteil maßgeblich dazu beigetragen hat, die Batteriepreise trotz volatiler Rohstoffmärkte massiv zu senken. Kosteten Batteriezellen 2022 noch rund 136 $/kWh, lagen sie 2025 bereits bei nur 74 $/kWh. Ein wesentlicher Treiber ist die starke Überkapazität chinesischer Zellhersteller, die zu intensivem Wettbewerb und entsprechendem Preisverfall führt.

Ein weiterer Vorteil: Die LFP‑Chemie kommt ohne Nickel und Kobalt aus – zwei Rohstoffe, deren Preisentwicklung zwischen 2021 und 2026 hochvolatil war und deren Lieferketten teilweise als kritisch gelten. Die Abhängigkeit von geopolitisch sensiblen Märkten sinkt damit erheblich.

Hinzu kommt die außergewöhnliche thermische Stabilität von LFP‑Zellen. Sie sind deutlich weniger anfällig für thermisches Durchgehen als klassisches Nickel‑Mangan‑Kobalt‑Oxid (NMC) und eignen sich deshalb besonders für stationäre Anwendungen, bei denen Brandrisiken und Lebensdauer zentrale Parameter sind.

Beispiel: Wird eine 200‑MWh‑BESS zur Erbringung von Regelenergie schnell be- und entladen, entstehen hohe Temperaturen. Kühlmanagementsysteme halten die Zelltemperatur daher zuverlässig im Bereich von 35–55 °C, um kritische Werte über 60 °C zu verhindern.

Auch bei wesentlichen Leistungskennzahlen überzeugt LFP:

Round Trip Efficiency (RTE)

Die RTE – das Verhältnis von abgegebener zu aufgenommener Energie – liegt typischerweise bei 90–95 % und erfüllt damit die Anforderungen moderner BESS‑Vermarktungsmodelle.

Zyklenfestigkeit

Dies meint die Fähigkeit eines Akkus, wiederholt aufgeladen und entladen zu werden, ohne dabei über die wirtschaftliche Lebensdauer signifikant an Leistung oder Kapazität (<20%) zu verlieren. LFP‑Zellen sind für ihre hohe Robustheit bekannt. Hersteller geben heute z.B. Garantien von etwa 6.200 Vollzyklen, was über zehn Jahre hinweg rund 1,7 Zyklen pro Tag entspricht. Die langjährige Nutzung in BEV‑Flotten trägt dazu bei, diese Annahmen empirisch zu fundieren.

Welche alternativen Batteriechemien gibt es?

Aus heutiger Perspektive ist Natrium‑Ionen (Na‑Ion) die einzige Technologie mit realistischem Potenzial, in den nächsten Jahren eine breit skalierende Alternative zu LFP im Massenmarkt zu werden. Ihre Vorteile liegen vor allem in:

  • Kostenpotenzial durch natriumbasierte Rohstoffe,
  • exzellenter Kälteperformance: Na‑Ion‑Zellen erreichen selbst bei −20 bis −40 °C noch rund 90 % ihrer Kapazität (zum Vergleich: LFP liegt bei −20 °C bei ca. 70 bis 80%).

Mehrere große chinesische Hersteller – u. a. CATL und BYD – planen oder betreiben bereits Produktionslinien im GWh‑Maßstab. Ob der Einsatz von Na‑Ion-Technologie mittelfristig günstiger wird als LFP, lässt sich noch nicht sicher sagen.

Offen sind aktuell insbesondere Fragen der Bankability, da Felddaten aus realen Langzeitanwendungen noch fehlen. Garantiebedingungen (z.B. State‑of‑Health‑Grenzen oder Ersatzregeln) sind daher oft schwieriger zu verhandeln als bei LFP.

Verfügbarkeit: Kein Engpass – trotz globaler Nachfrage

Der Markt für LFP‑Zellen ist heute stark von China dominiert: Über 80 % der globalen Produktion für Utility‑Scale‑BESS entfällt auf Hersteller wie z.B. CATL, BYD, Hithium, Narada oder Hyperstrong.

Die Lieferzeiten für Batteriezellen liegen bei ca. 6 bis 9 Monaten und lassen sich gut in typische Bauzeitenpläne für BESS-Anlagen inkl. Fundamentbau, Kabeltrassenanlage, Transformatoreninstallation und Netzanschlüsse integrieren.

Fazit

LFP bleibt auch 2026 die dominante Referenztechnologie im globalen BESS‑Sektor – dank Sicherheit, Kostenführerschaft und starker Lieferketten.

Gleichzeitig nähern sich alternative Zellchemien wie Natrium‑Ionen dem industriellen Durchbruch und könnten mittelfristig neue Einsatzfelder erschließen.

Die rasante Preisreduktion bei LFP wird sich abschwächen, aber weiter fortsetzen. Gleichzeitig verbessert die globale Überkapazität die Verfügbarkeit und verkürzt Lieferzeiten, womit BESS – zumindest aus diesem Blickwinkel – weltweit eine immer zentralere Rolle in der Energiewende einnehmen könnte.

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