Was Deutschland von den Spec Suites in den USA lernen kann.
Die Büroimmobilie befindet sich im Wandel. Doch während sich die Diskussion in den vergangenen Jahren vor allem um Homeoffice, ESG oder sinkende Flächennachfrage drehte, zeichnet sich im Hintergrund ein weiterer Trend ab, der das Potenzial hat, die Bürovermietung grundlegend zu verändern.
Die Rede ist von Spec Suites.
In den USA gehören sie mittlerweile zum festen Bestandteil vieler Vermietungsstrategien. In Deutschland spielen sie bislang nur eine untergeordnete Rolle. Dabei spricht vieles dafür, dass auch hierzulande immer mehr Eigentümer diesen Weg einschlagen werden.
Das klassische Modell stößt an seine Grenzen
Über Jahrzehnte lief die Vermietung hochwertiger Büroflächen nach einem ähnlichen Muster ab.
Der Mietvertrag wird unterschrieben. Anschließend beginnt die individuelle Ausbauplanung. Architekten, Fachplaner und Ausbauunternehmen entwickeln gemeinsam mit dem zukünftigen Nutzer ein maßgeschneidertes Bürokonzept. Erst Monate später erfolgt der Einzug.
Dieses Vorgehen war lange selbstverständlich. Schließlich wurden Mietverträge häufig über fünf oder zehn Jahre abgeschlossen und die hohen Investitionen in den Mieterausbau amortisierten sich über entsprechend lange Laufzeiten.
Heute verändern sich jedoch die Rahmenbedingungen.
Unternehmen wachsen schneller, konsolidieren Standorte, passen ihre Flächenbedarfe laufend an oder möchten kurzfristig neue Teams integrieren. Gleichzeitig bleiben wirtschaftliche Unsicherheiten hoch. Laut der CBRE 2024 Americas Office Occupier Sentiment Survey wünschen sich Unternehmen deutlich mehr Flexibilität hinsichtlich Laufzeiten, Flächengröße und Expansionsmöglichkeiten.
Für viele Unternehmen entscheidet heute nicht mehr allein die Qualität einer Fläche über die Standortwahl, sondern zunehmend auch die Geschwindigkeit, mit der sie produktiv genutzt werden kann.
Warum monatelang auf eine Fläche warten?
Die entscheidende Frage lautet daher:
Wenn ein hochwertiges Büro bereits existiert, warum sollte jeder neue Mieter wieder bei null beginnen?
Genau an dieser Stelle setzen Spec Suites an.
Dabei handelt es sich um vollständig ausgebaute, hochwertig gestaltete Büroflächen, die bereits vor Abschluss eines Mietvertrags fertiggestellt werden. Der Vermieter investiert einmal in einen modernen Standardausbau mit Besprechungsräumen, Teeküche, Beleuchtung und häufig sogar Möblierung.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung zu klassischen Flex Offices. Anders als WeWork, Regus oder Design Offices verfolgen Spec Suites kein Betreiberkonzept. Es handelt sich weiterhin um klassische Büroflächen, die im Rahmen regulärer Mietverträge vermietet werden. Neu ist lediglich, dass der hochwertige Ausbau bereits vor der Vermietung erfolgt.
Spec Suites schließen damit eine Lücke zwischen klassischer Bürovermietung und Flex Offices. Unternehmen erhalten die Geschwindigkeit und Einfachheit einer bezugsfertigen Fläche, ohne Kompromisse bei Exklusivität, Corporate Identity oder langfristiger Flächenkontrolle eingehen zu müssen.
Die Fläche ist bereits fertig. Der Mieter entscheidet lediglich noch, wann er einzieht.
Anstatt monatelang auf Planungen, Ausschreibungen und Ausbauarbeiten zu warten, reduziert sich die Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und Einzug auf wenige Tage oder Wochen.
Ein Gewinn für beide Seiten
Für Mieter liegen die Vorteile auf der Hand:
- deutlich schnellere Bezugsfähigkeit
- geringerer organisatorischer Aufwand
- weniger interne Ressourcen für Planung und Ausbau
- höhere Flexibilität
Doch auch Eigentümer profitieren.
Jeder Monat Leerstand verursacht Kosten. Gleichzeitig konkurrieren Eigentümer heute stärker denn je um eine begrenzte Zahl hochwertiger Nutzer. Je schneller eine Fläche bezugsfertig ist, desto geringer ist das Vermarktungsrisiko.
Hinzu kommt der erhebliche Aufwand individueller Mieterausbauten, die Kapital, Zeit und personelle Ressourcen binden. Spec Suites verkürzen Vermarktungszeiten, reduzieren die Zeit bis zum ersten Mietertrag und schaffen ein attraktives Produkt für Unternehmen, die kurzfristig Flächen benötigen.
CBRE beobachtet insbesondere in den USA eine steigende Nachfrage nach sogenannten Plug-and-Play Offices, also Flächen, die nahezu ohne Vorlauf genutzt werden können. Gleichzeitig setzen immer mehr Eigentümer gezielt auf Spec Suites, um sich im Wettbewerb um Mieter zu differenzieren und Vermarktungszeiten zu verkürzen.
Weniger Individualisierung bedeutet nicht weniger Qualität
Ein weiterer Aspekt wird häufig übersehen.
Ist es wirklich sinnvoll, bei jedem Mieterwechsel einen hochwertigen Ausbau zurückzubauen, nur um wenige Monate später einen nahezu identischen Ausbau wieder einzubauen?
In vielen Bürogebäuden ist genau das bis heute gängige Praxis. Obwohl große Teile des Innenausbaus technisch weiterhin nutzbar wären, werden sie entfernt, entsorgt und ersetzt. Das bindet Kapital, verlängert Vermarktungszeiten und verursacht vermeidbare Bauabfälle.
Spec Suites verfolgen einen anderen Ansatz.
Der Ausbau wird bewusst so geplant, dass er mehrere Mietzyklen überdauern kann. Anpassungen erfolgen dort, wo sie tatsächlich einen Mehrwert schaffen, anstatt bei jedem Nutzer wieder bei null zu beginnen.
Das reduziert nicht nur den Ressourceneinsatz und Bauabfälle, sondern verbessert auch die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus einer Bürofläche. Nachhaltigkeit wird damit zum Ergebnis eines wirtschaftlicheren Vermietungsmodells.
Deutschland steht vermutlich erst am Anfang
Natürlich wird es auch künftig Unternehmen geben, die hochindividuelle Flächen benötigen. Unternehmenszentralen oder besonders repräsentative Standorte werden auch künftig maßgeschneidert geplant.
Für einen wachsenden Teil des Marktes dürfte jedoch etwas anderes entscheidend sein:
Geschwindigkeit.
Wer hochwertige Flächen innerhalb weniger Wochen statt mehrerer Monate beziehen kann, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig reduzieren Eigentümer Vermarktungsrisiken und beschleunigen den Übergang zwischen zwei Mietern.
Die Frage lautet deshalb weniger, ob sich Spec Suites auch in Deutschland etablieren werden.
Sondern vielmehr, wie schnell.
Denn die Anforderungen der Nutzer verändern sich bereits heute. Und wie so oft folgt der Immobilienmarkt den Bedürfnissen seiner Nutzer mit etwas Verzögerung.
Vielleicht ist es an der Zeit, den individuellen Mieterausbau nicht länger als Standard zu betrachten, sondern als eine von mehreren Lösungen.
Denn das Büro der Zukunft könnte deutlich stärker einem hochwertigen Produkt ähneln als einem individuellen Bauprojekt.
Das Büro der Zukunft wird nicht individueller. Es wird schneller verfügbar.