Aktionstag auf dem Wallrafplatz stößt auf großes Interesse. Die Forschungsergebnisse zeigen: Maßnahmen müssen standort- und zielbezogen geplant werden
Der Aktionstag des Kooperationsprojekts „Klimalabor Köln“ am 21. August 2026 auf dem Wallrafplatz ist auf großes Interesse gestoßen. Unter der Schirmherrschaft des Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester, am Aktionstag vertreten durch Bürgermeisterin Derya Karadag, präsentierten die Aachener Grundvermögen, das Stadtmarketing Köln und die Universität zu Köln aktuelle Messergebnisse und Simulationen zur Klimaanpassung in innerstädtischen Handelslagen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Innenstädte angesichts zunehmender Hitze als attraktive Orte für Handel, Aufenthalt und Begegnung zukunftsfähig gestaltet werden können. Nach der Präsentation der wissenschaftlichen Ergebnisse durch die Projektpartner konnten Besucherinnen und Besucher an interaktiven Stationen Live-Sensordaten, Wärmebildaufnahmen und Ergebnisse der 3D-Mikroklimasimulation nachvollziehen und im „Cool City Lab“ der Universität zu Köln und der TH Köln anhand anschaulicher Experimente die Wirkung unterschiedlicher Oberflächen und Klimaanpassungsmaßnahmen erleben. Die Auswertung der Passantenfrequenzen von hystreet.com, dem PropTech-Unternehmen der Aachener Grundvermögen, zeigt einen deutlich negativen Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und der Zahl der Menschen in der Innenstadt.
Das Klimalabor Köln-Innenstadt entstand aus einer Verschattungsmaßnahme, die die Aachener Grundvermögen und das Stadtmarketing Köln e.V. im Jahr 2024 in der Hohe Straße initiierten. Seit 2025 wird die Maßnahme in Kooperation mit der Universität zu Köln wissenschaftlich begleitet. Mehr als 40 Klimasensoren erfassen lokale Messwerte zu Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und CO2. Bereits die ersten Messergebnisse im Jahr 2025 zeigten an heißen Nachmittagen eine um zwei bis drei Grad niedrigere Lufttemperatur in den durch die vertikalen Stoffelemente beschatteten Bereichen. An windstillen Hitzetagen sank die Lufttemperatur um bis zu fünf Grad, die gefühlte Temperatur für Passantinnen und Passanten nahm in einzelnen Stunden um bis zu 11 Grad ab.
Im Jahr 2026 nutzte Lauren Gülker die Sensordaten zur weiteren Kalibrierung eines hochauflösenden 3D-Mikroklimamodells. In ihrer Masterarbeit untersuchte sie insgesamt sechs Klimaanpassungsszenarien für die Hohe Straße. Die Ergebnisse zeigen: Fassadenbegrünung reduziert die thermische Belastung besonders großflächig und beständig, Wasservernebelung senkt die Lufttemperatur am stärksten, während Verschattung vor allem lokal und in strahlungsintensiven Stunden wirkt. Das Klimalabor liefert damit eine valide Datengrundlage für standort- und zielbezogene Entscheidungen.
Die Ergebnisse von Lauren Gülker machen deutlich, dass Klimaanpassungsmaßnahmen standort-und zielbezogen geplant werden müssen. Je nach örtlicher Situation und Zielsetzung kann dabei im Vordergrund stehen, die Lufttemperatur zu senken oder, wie in der Hohe Straße, die thermische Belastung der Menschen zu reduzieren.
„Die Zukunft unserer Innenstädte hängt auch davon ab, ob Menschen sich dort gerne aufhalten. Daher ist es wichtig, die Wirkung von Klimaanpassungsmaßnahmen wissenschaftlich belastbar zu messen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass Verschattung die gefühlte Temperatur spürbar senken kann und zugleich vergleichsweise kostengünstig und kurzfristig umsetzbar ist“, begründet Dr. Frank Wenzel, Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen, das Engagement des Unternehmens.
Das spiegelt sich auch in der geplanten Projektentwicklung des heutigen Media-Markt-Gebäudes der Aachener Grundvermögen auf der Hohe Straße wider. Die bislang auf Einzelhandel fokussierte Immobilie soll zu einem modernen, hochwertigen Multi-Use-Objekt in Holzhybridbauweise mit einer vertikal begrünten Fassade und intensiv begrüntem Innenhof umgebaut werden.
„Die Ergebnisse von Lauren Gülker zeigen, wie wichtig es ist, Klimaanpassung am konkreten Ort zu messen und sichtbar zu machen. Die Verbindung von Sensordaten, Passantenfrequenzen und Simulation schafft eine belastbare Grundlage, um für jeden Standort geeignete Maßnahmen zu
bestimmen“, fasst Raymond Wollenberg, Initiator des Klimalabors Köln-Innenstadt und ESG-Manager bei der Aachener Grundvermögen, zusammen.
Angesichts der zunehmenden Hitzebelastung und der wachsenden Bedeutung wirksamer Klimaanpassungsstrategien für urbane Räume hat der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester die Schirmherrschaft für das deutschlandweit einmalige Reallabor „Klimalabor Köln“ übernommen. Die textile Verschattungsmaßnahme wurde zu 80 Prozent über den Verfügungsfonds Kölner City im Rahmen des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ gefördert. Die Kosten für die jährliche Wiederaufhängung und die Sensortechnik auf der Hohe Straße trägt die Aachener Grundvermögen. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Dr. Nils Eingrüber vom Geographischen Institut der Universität zu Köln und Prof. Dr. Ulrich Löhnert vom Institut für Geophysik und Meteorologie. Die Forschungsarbeiten sind Teil des Projekts AKT@HoMe der Universität zu Köln und der TH Köln, das von der RheinEnergie Stiftung Jugend Beruf Wissenschaft gefördert wird.
Auf Grundlage der Erkenntnisse des Klimalabors auf der Hohe Straße soll ein übertragbares Modell für andere innerstädtische Räume und Handelslagen in Deutschland entwickelt werden.