Analysis Report

Pflegeimmobilien bewerten: Welche Kriterien bei der Auswahl zukunftsfähiger Investments wirklich entscheidend sind

Pascal Kleine, Geschäftsführer von Pecuria (Copyright: Pecuria)

Pflegeimmobilien bewerten: Welche Kriterien bei der Auswahl zukunftsfähiger Investments wirklich entscheidend sind

Pflegeimmobilien werden häufig als verhältnismäßig stabile Kapitalanlage eingeordnet. Angesichts des demografischen Wandels ist diese Einschätzung nachvollziehbar. Dennoch zeigt die Marktentwicklung der vergangenen Jahre, dass eine steigende Nachfrage allein keine Garantie für eine tragfähige Investition ist.

Wer in ein Pflegeappartement investieren möchte, sollte sich daher nicht allein auf den steigenden Bedarf an Pflegeplätzen oder attraktive Renditeaussichten verlassen. Es müssen auch die Standortqualität, die wirtschaftliche Stabilität des Betreibers, die bauliche Qualität und die vertragliche Ausgestaltung geprüft werden. Erst ihr Zusammenspiel bildet eine belastbare Grundlage für eine langfristige Investitionsentscheidung.

Am Anfang jeder fundierten Analyse steht eine detaillierte Bewertung des Standorts. Eine professionelle Sozialmarktanalyse berücksichtigt dabei unter anderem die vorhandene Versorgungsstruktur, die Umgebungsbebauung, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die digitale Infrastruktur. Zudem spielen die demografische Entwicklung im Einzugsgebiet, die Wettbewerbssituation, die regionale Arbeitsmarktlage und vor allem die Verfügbarkeit qualifizierter Pflegekräfte vor Ort eine zentrale Rolle. Nur so lässt sich die langfristige Auslastungsfähigkeit einer Pflegeeinrichtung einschätzen und nur so lassen sich etwaige Risiken frühzeitig erkennen.

Mindestens ebenso wichtig wie der Standort ist die Auswahl des Betreibers. Schließlich trägt er die Verantwortung für den wirtschaftlichen Betrieb der Einrichtung, die Personalgewinnung und eine dauerhaft hohe Auslastung. Damit hängt auch die langfristige Stabilität der Pachtzahlungen wesentlich von seiner Leistungsfähigkeit ab.

Im Rahmen einer Betreiberprüfung werden deshalb unter anderem die Bonität, die wirtschaftlichen Kennzahlen, die Managementerfahrung, das Portfolio, die regionale Präsenz, die Personalstruktur, die ESG-Kriterien sowie die strategische Ausrichtung analysiert.

Ergänzend sollte auch der Pachtvertrag eingehend bewertet werden. Dabei sind beispielsweise die Höhe der Pacht und die für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderliche Auslastung zu berücksichtigen. Solche Analysen werden in der Regel von spezialisierten Beratungsunternehmen und Sozialmarktexperten durchgeführt.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Betreiber mit einer geringen Eigenkapitalbasis, einer diffusen Standortstruktur oder einer in der Relation zur Firmengröße überproportional dynamischen Expansionsstrategie. Zusätzliche Sicherheiten können Patronatserklärungen finanzstarker Muttergesellschaften bieten. Ebenso spricht es für einen Betreiber, wenn er bereits mehrere Einrichtungen innerhalb einer Region – ein sogenanntes Cluster – erfolgreich betreibt und dadurch betriebliche Synergien nutzen kann.

Neben dem Standort und dem Betreiber entscheidet auch die vertragliche Ausgestaltung über die Qualität des Investments. Langfristige Pachtverträge mit Laufzeiten von mindestens 20 Jahren sorgen für eine hohe Planungssicherheit. Ein weiteres Plus sind Vertragsmodelle, bei denen der Betreiber wesentliche Teile der technischen Instandhaltung übernimmt. Dadurch reduziert sich der Verwaltungsaufwand auf Eigentümerseite und die laufenden Kosten werden besser kalkulierbar.

Auch Indexierungsklauseln können dazu beitragen, Erträge langfristig an die allgemeine Preisentwicklung anzupassen. Ihre Wirkung hängt dabei von der vereinbarten Bezugsgröße, den Anpassungsschwellen sowie möglichen Begrenzungen ab. Ausschlaggebend ist jedoch nicht allein die anfängliche Rendite, sondern die Stabilität des gesamten Vertragswerks. Zusätzliche Absicherungen, wie etwa ein Mietausfallschutz im Falle eines Betreiberwechsels, erhöhen die Investitionssicherheit.

Darüber hinaus sollte die bauliche Qualität der Immobilie bewertet werden. Bestandsgebäude, die heutigen energetischen oder funktionalen Anforderungen nicht mehr entsprechen, können künftig erhebliche Modernisierungskosten verursachen. Neubauten nach aktuellen KfW-Standards, die geltende Bau- und Heimvorschriften einhalten, bieten dagegen eine deutlich höhere Zukunftssicherheit. Unabhängige technische Gutachten sollten deshalb unter anderem die Statik, den Brandschutz, die Energieeffizienz sowie die Einhaltung aller relevanten baurechtlichen Anforderungen prüfen.

Eine vollständige Due Diligence umfasst zudem weitere rechtliche und wirtschaftliche Aspekte. Dazu zählen beispielsweise die Prüfung der Teilungserklärung, der WEG-Struktur sowie der zugrunde liegenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Hinzu kommen langfristige Ertragsprognosen, steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten und Förderprogramme, etwa der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die ebenfalls Bestandteil einer umfassenden Investmentanalyse sein sollten.

Denn eine sorgfältige Prüfung schafft langfristige Sicherheit. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass selbst ein strukturell wachsender Markt differenziert betrachtet werden muss, da er keinesfalls frei von Risiken ist. Steigende Baukosten, höhere Finanzierungskosten und veränderte regulatorische Anforderungen haben die Rahmenbedingungen spürbar verändert. Erst eine systematische Bewertung schafft eine fundierte Basis für ein belastbares Chance-Risiko-Profil und ermöglicht eine Differenzierung zwischen sorgfältig geprüften und unzureichend analysierten Objekten. Wer diese Kriterien konsequent berücksichtigt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einem strukturell attraktiven Markt auch ein tragfähiges Investment entwickelt.

Kassel: Service-Wohn-Appartements im Denkmal „Salzmann-Fabrik“ (Copyright: Pecuria)
Kassel: Service-Wohn-Appartements im Denkmal „Salzmann-Fabrik“ (Copyright: Pecuria)
OHZ: Pflegeappartements in der Seniorenresidenz Osterholz-Scharmbeck
OHZ: Pflegeappartements in der Seniorenresidenz Osterholz-Scharmbeck (Copyright: Pecuria)
Pascal Kleine, Geschäftsführer von Pecuria (Copyright: Pecuria)
Pascal Kleine, Geschäftsführer von Pecuria (Copyright: Pecuria)

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