Der Netzausbau der Energieinfrastruktur von Deutschlands Rechenzentren ist stetig am Wachsen. Wie stark ein Standort die Netzkapazität beansprucht, entscheidet neben dem reinen Energieverbrauch eines Rechenzentrums auch die elektrische Anschlussleistung. Diese ist in Deutschland regional jedoch sehr ungleich verteilt, wie die neue Analyse der IFA Berlin (www.ifa-berlin.com) zeigt. Dafür hat das weltweit führende Event für Consumer Electronics, Home Appliances und Future Tech die Anschlussleistung bestehender Rechenzentren der deutschen Bundesländer und der 20 größten Städte des Landes untersucht. Denn auch auf der diesjährigen IFA Berlin wird das Thema diskutiert: Edge & Cloud Computing sowie Konnektivität und sichere digitale Infrastrukturen zählen dort zu den Trendthemen in den Show Areas „Computing & Gaming“ und „Communication & Connectivity“.
Hessen auf Platz 1 mit höchster Anschlussleistung
Für die Untersuchung hat die IFA Berlin Daten von Data Center Map zu insgesamt 573 Rechenzentren in Deutschland ausgewertet. Für 218 Rechenzentren lagen Angaben zur Anschlussleistung in Megawatt (MW) vor. Davon befinden sich 151 Rechenzentren in Betrieb, die zusammen auf 1.763,9 MW kommen. Davon steuert Hessen mit 1.229,8 MW knapp 70 Prozent der erfassten Anschlussleistung bei und liegt mit Abstand auf Platz 1. In dem Bundesland sind zurzeit 63 Rechenzentren in Betrieb, für die eine MW-Angabe vorliegt. Danach folgt Brandenburg mit 123,5 MW. Nordrhein-Westfalen belegt mit 107,7 MW den dritten Platz.
Auf dem letzten Platz im Ranking liegt Niedersachsen mit 2,2 MW. Saarland belegt mit 3,0 MW den vorletzten Platz und Rheinland-Pfalz weist die drittniedrigste erfasste Anschlussleistung (3,6 MW) auf.
Im Städtevergleich ist Frankfurt am Main Spitzenreiter
Unter den 20 größten Städten Deutschlands führt Frankfurt am Main mit 581,6 MW erfasster elektrischer Anschlussleistung das Ranking an. Platz zwei belegt Berlin (96,5 MW) und Hamburg folgt mit 31,9 MW auf Platz drei.
Im Negativranking der Städte liegt Dresden mit 0,7 MW auf dem letzten Platz. Davor liegen Wuppertal (1,5 MW) und Hannover (2,2 MW).
67 neue Rechenzentrumsprojekte in Bau und Planung
Für die Analyse wurden auch die zukünftigen, bereits kommunizierten Projekte mit erhoben. Insgesamt gibt es derzeit 67 geplante oder im Bau befindliche Rechenzentren, für die eine potenziell verfügbare Leistungsabgabe von 6.433,7 Megawatt angegeben wird. Die größte angekündigte Anschlussleistung entfällt auf das Bundesland Brandenburg (2.598 MW). Dahinter folgen Hessen (1.688,9 MW) und Baden-Württemberg mit 708 MW.
Bei der Anzahl an neuen Projekten liegt hingegen Hessen vorn. Mit 24 geplanten oder sich im Bau befindlichen Rechenzentren entstehen dort mehr neue Anlagen als in jedem anderen Bundesland. Brandenburg folgt mit 22 Rechenzentren dicht danach. Alle anderen Bundesländer kommen nur auf sehr wenige neu geplante Projekte: Beispielsweise sind in Berlin neun oder in Bayern derzeit fünf neue Rechenzentren geplant. In fünf Bundesländern (Hamburg, Sachsen, Saarland, Bremen, Thüringen) ist dagegen aktuell kein Bau oder keine Planung von einem Rechenzentrum bekannt.
Leif Lindner, CEO der IFA Berlin, kommentiert: „Mit rund 19,5 Megawatt pro Anlage liegt die durchschnittliche Anschlussleistung in Hessen zwei Drittel über dem bundesweiten Schnitt von 11,7 Megawatt. Grund ist die Region Frankfurt-Offenbach, die mit dem Internetknoten DE-CIX einen Standortvorteil für besonders große Anlagen bietet. Fast drei Viertel der bundesweit erfassten Anschlussleistung entfallen damit auf ein einziges Bundesland. Ein Beleg dafür, wie regional konzentriert die digitale Infrastruktur in Deutschland ist. Denn ohne ausreichende Anschlussleistung lassen sich weder neue Rechenzentren noch die für High-Performance-, Edge- und Cloud-Computing nötigen Kapazitäten aufbauen.“
Über die Untersuchung
Für die Untersuchung hat die IFA Berlin Daten von Data Center Map zu insgesamt 573 Rechenzentren in Deutschland ausgewertet. Für 218 Rechenzentren lagen Angaben zur Leistung in Megawatt (MW) vor. Davon befinden sich 151 Rechenzentren in Betrieb und 67 im Bau oder in Planung. Die Auswertung nach Städten bezieht sich auf die 20 größten Städte Deutschlands. Aufgrund fehlender Leistungsangaben für einen Teil der Rechenzentren bilden die ausgewiesenen MW-Werte nicht die vollständige Rechenzentrumsleistung Deutschlands ab. So gab es für vier Bundesländer (Thüringen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) und für acht Städte (Karlsruhe, Mannheim, Bonn, Bielefeld, Bochum, Essen, Bremen, Dortmund) keine Angaben zur Anschlussleistung laut Quelle. Die Angaben zu Rechenzentren in Bau oder Planung entsprechen dem zum Zeitpunkt der Untersuchung bekannten Planungsstand. Die tatsächliche Realisierung und Leistung einzelner Projekte kann davon abweichen. Da insbesondere einzelne Großprojekte hohe Leistungswerte aufweisen, können diese die Ergebnisse auf Bundeslandebene erheblich beeinflussen. Erhebungszeitraum: August 2026.