Analysis

SAGARD-ANALYSE: Warum das Mid-Market-Segment im neuen Private-Equity-Umfeld an Bedeutung gewinnt

Porträt eines männlichen Ansprechpartners der Pressemitteilung von Sagard Private Equity Solutions
Porträt eines Ansprechpartners der Pressemitteilung zu Private Equity von Sagard. Bildquelle: Sagard Private Equity Solutions

Das Marktumfeld für Private Equity hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Nach einer Dekade niedriger Zinsen, reichlich verfügbarer Fremdfinanzierung und steigender Bewertungsmultiplikatoren bestimmen heute höhere Finanzierungskosten, längere Haltedauern und eine verhaltene Exit-Aktivität den Markt. Aus Sicht von Sagard verschieben sich damit auch die zentralen Werttreiber innerhalb der Anlageklasse.

In seiner aktuellen Analyse „Investing in the Mid-Market“ kommt Paul Newsome, Head of Investment Solutions, bei Sagard Private Equity Solutions zu dem Schluss, dass insbesondere der Small- und Mid-Market unter diesen veränderten Rahmenbedingungen strukturelle Vorteile bietet. Nicht kurzfristige Marktbewegungen, sondern realistischere Bewertungen, operative Entwicklungspotenziale und breitere Exit-Möglichkeiten könnten diesem Marktsegment künftig zusätzliche Bedeutung verleihen.

Operative Wertschöpfung ersetzt finanzielle Hebel

Über viele Jahre wurde die Entwicklung im Buyout-Markt maßgeblich durch günstige Finanzierungskonditionen und steigende Bewertungsmultiplikatoren unterstützt. Dieses Umfeld hat sich grundlegend verändert. Renditen lassen sich heute deutlich seltener allein über Leverage oder Multiple Expansion erzielen. Stattdessen gewinnen operative Verbesserungen, strategische Unternehmensentwicklung und aktives Portfoliomanagement an Bedeutung.

Dass sich diese Entwicklung insbesondere im Mid-Market widerspiegelt, zeigen auch die zugrunde liegenden Marktdaten. Zwischen Einstieg und Exit erzielten Small- und Mid-Market-Unternehmen im Median ein Umsatzwachstum von 55 %, während vergleichbare Large-Cap-Unternehmen auf 27 % kamen. Beim EBITDA lag das Wachstum mit 68 % sogar mehr als doppelt so hoch wie bei Large-Cap-Transaktionen (32 %). Operative Wertschöpfung wird damit zunehmend zum entscheidenden Renditetreiber.

Gerade mittelständische Unternehmen verfügen häufig über erhebliches Entwicklungspotenzial – etwa durch Digitalisierung, Internationalisierung, Buy-and-Build-Strategien oder die Professionalisierung von Managementstrukturen. Viele sind in attraktiven Nischenmärkten tätig oder werden noch von ihren Gründern geführt. Die Wertschöpfung entsteht damit zunehmend im Unternehmen selbst – und weniger durch Leverage oder steigende Bewertungsmultiplikatoren.

Median des Umsatz- und EBITDA-Wachstums vom Einstieg bis zum Ausstieg sowie Ausstiegsweg nach Transaktionsvolumen

Balkendiagramm zeigt Median-Umsatz- und EBITDA-Wachstum von Mid-Market- und Large-Cap-Unternehmen im Vergleich.
Quelle: Preqin, 2025. Die Wertentwicklung wird netto für den Investor in US-Dollar angegeben.

Bewertungen gewinnen wieder an Bedeutung

Mit dem Ende des Niedrigzinsumfelds rücken auch Einstiegspreise stärker in den Fokus. Große Buyout-Transaktionen werden häufig zu höheren Bewertungsmultiplikatoren abgeschlossen und erfordern entsprechend umfangreiche Finanzierungen.

Die Marktdaten zeigen, dass Small- und Mid-Market-Buyouts im US-Markt in den vergangenen Jahren im Durchschnitt mit einem Bewertungsabschlag von rund fünf EBITDA-Multiples gegenüber Large- und Mega-Buyouts bewertet wurden. Dieser Unterschied ist kein Garant für höhere Renditen. Er verschafft Investoren jedoch einen größeren Bewertungspuffer und reduziert die Abhängigkeit von steigenden Multiplikatoren oder einer hohen Fremdfinanzierung.

Gerade in einem Marktumfeld mit höheren Finanzierungskosten und einer zurückhaltenderen Exit-Aktivität gewinnen realistische Einstiegspreise wieder an Bedeutung. Wer zu einem niedrigeren Bewertungsniveau investiert, verfügt über einen größeren strategischen Spielraum bei der späteren Wertentwicklung. Disziplinierte Bewertungen werden damit wieder zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Private Equity.

Multiplikatoren bei US-Buyout-Transaktionen – Small/Mid-Cap im Vergleich zu Large/Mega-Cap

Liniendiagramm mit US-Buyout-Transaktionsmultiplikatoren: Vergleich Small/Mid und Large/Mega (2015–2025)
Quelle: Preqin, 2025. Die Wertentwicklung wird netto für den Investor in US-Dollar angegeben.

Mehr Flexibilität beim Exit

Auch auf der Exit-Seite unterscheiden sich die Marktsegmente. Während großvolumige Transaktionen häufig auf wenige strategische Käufer oder ein günstiges Börsenfenster angewiesen sind, verfügen mittelständische Unternehmen oftmals über einen breiteren Kreis potenzieller Erwerber. Strategische Investoren, Finanzinvestoren oder andere mittelständische Unternehmen kommen gleichermaßen als Käufer infrage.

Gerade in einem Markt, in dem Börsengänge weiterhin nur eingeschränkt möglich sind und M&A-Prozesse selektiver verlaufen, erhöht diese größere Flexibilität die Handlungsoptionen von Investoren und Fondsmanagern.

Qualität entscheidet mehr denn je

Der strukturelle Rückenwind für das Mid-Market bedeutet jedoch nicht, dass jede Investition automatisch attraktiv ist. Vielmehr steigt die Bedeutung einer sorgfältigen Manager- und Unternehmensauswahl. Erfolgreiche Fondsmanager zeichnen sich heute zunehmend durch tiefes Branchenwissen, einen differenzierten Zugang zu attraktiven Transaktionen und die Fähigkeit aus, operative Wertschöpfung konsequent umzusetzen.

Mit der Reife des Private-Equity-Marktes verschiebt sich der Wettbewerb damit zunehmend von der Finanzierungsstruktur zur Qualität der Investments. Lokale Netzwerke, sektorale Spezialisierung und operative Expertise werden wichtiger als die Fähigkeit, möglichst viel Fremdkapital einzusetzen.

Der Mid-Market profitiert aus unserer Sicht von dieser Entwicklung. Nicht weil sich die Grundprinzipien von Private Equity verändert hätten, sondern weil die Eigenschaften dieses Marktsegments den Anforderungen des heutigen Marktumfelds besser entsprechen. In einer Phase, in der operative Wertschöpfung, disziplinierte Bewertungen und flexible Exit-Strategien an Bedeutung gewinnen, dürfte der Mid-Market auch künftig eine zentrale Rolle innerhalb der Private Markets spielen.

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