Der globale Secondaries-Markt erreicht Rekordvolumina. Doch Private Markets werden dadurch nicht einfach liquide. Vielmehr entsteht eine Infrastruktur, die den Umgang mit langfristig gebundenem Kapital zunehmend professionell organisiert.
Private Markets gelten als langfristig. Genau darin liegt einer ihrer größten Vorteile – und zugleich eine ihrer größten Herausforderungen. Wer in Immobilien, Infrastruktur oder Private Equity investiert, bindet Kapital häufig über viele Jahre. Das passt jedoch nicht immer zu den Zeithorizonten der Investoren. Strategien ändern sich, Allokationen werden angepasst und regulatorische Anforderungen entwickeln sich weiter. Der Wunsch nach einem geordneten Ein- oder Ausstieg kann deshalb lange vor dem Ende eines Fonds entstehen.
Genau an dieser Stelle lohnt derzeit ein Blick auf die Marktentwicklung.
Mehrere Marktanalysen zeichnen ein bemerkenswert konsistentes Bild. Der globale Markt für Private-Market-Secondaries erreichte 2025 ein neues Rekordniveau. Jefferies beziffert das Transaktionsvolumen auf rund 240 Milliarden US-Dollar, Lazard kommt mit einer anderen Erhebungsmethode auf rund 233 Milliarden US-Dollar. Auch bei Real Estate Secondaries wurde ein Höchststand erreicht: Ares erfasste 2025 abgeschlossene oder vertraglich vereinbarte Transaktionen mit einem Nettoinventarwert von rund 20,3 Milliarden US-Dollar.
Die naheliegende Schlussfolgerung scheint eindeutig: Private Markets werden liquider.
Doch genau diese Interpretation greift zu kurz.
Ein Secondary verändert weder die Immobilie noch den Fonds. Beide bleiben langfristig ausgerichtet. Die langfristige Kapitalbindung – eine der prägenden Eigenschaften der Private Markets – verschwindet also nicht.
Was sich verändert, ist der Umgang mit ihr.
Während der eine Investor Kapital freisetzen, seine Allokation anpassen oder regulatorische Vorgaben erfüllen möchte, sucht ein anderer genau dieses langfristige Exposure. Je größer die Private Markets werden und je mehr Kapital über viele Jahre gebunden wird, desto häufiger treffen Investoren mit unterschiedlichen Zeithorizonten aufeinander.
Genau hier setzt der Secondaries-Markt an.
Secondaries schaffen keinen kurzfristigen Handel mit langfristigen Assets. Sie koordinieren vielmehr den geordneten Ein- und Ausstieg von Investoren mit unterschiedlichen Zeithorizonten.
Sie organisieren den Umgang mit langfristiger Kapitalbindung.
Langfristigkeit und Flexibilität müssen damit kein Widerspruch mehr sein.
Dieses Muster ist keineswegs außergewöhnlich. Reife Märkte entwickeln häufig eine Infrastruktur rund um ihre prägenden Eigenschaften. Börsen entwickelten Clearinghäuser. Kreditmärkte Ratingagenturen. Private Markets entwickeln Secondaries. Nicht weil die langfristige Kapitalbindung verschwindet, sondern weil ihr Umgang professioneller wird.
Der Blick auf Real Estate unterstreicht diesen Punkt. Trotz des neuen Höchststands bleibt das Segment mit rund 20 Milliarden US-Dollar sowohl absolut als auch im Verhältnis zum gesamten Secondaries-Markt klein. Und wer noch tiefer zoomt, erkennt: Gerade in Deutschland bleibt der Handel mit Immobilienfondsanteilen besonders anspruchsvoll. Übertragungsbeschränkungen, Anlegerzustimmungen, Bewertungsfragen sowie regulatorische und steuerliche Besonderheiten machen Transaktionen häufig komplex und zeitaufwendig. Von einem durchgängig liquiden Markt kann daher keine Rede sein.
Gerade deshalb ist die Entwicklung bemerkenswert. Die Rekordzahlen sprechen weniger für das Ende langfristiger Kapitalbindung als für die Entstehung einer immer professionelleren Infrastruktur zu ihrem Umgang.
Künstliche Intelligenz dürfte diesen Prozess zusätzlich beschleunigen. Nicht weil sie die Kapitalbindung beseitigt, sondern weil sie den Markt effizienter macht, der sich um sie herum entwickelt. Dokumente lassen sich automatisiert auswerten, Daten harmonisieren, potenzielle Käufer schneller identifizieren und Transaktionen strukturierter vorbereiten. Gleichzeitig werden einzelne Tätigkeiten, die bislang erheblichen manuellen Aufwand erforderten, zunehmend automatisierbar. KI reduziert damit nicht die Friktion selbst, sondern die Kosten ihres Umgangs – und verändert, wo in diesem Markt künftig Wertschöpfung entsteht.
Vielleicht erzählen die Rekordzahlen des Jahres 2025 deshalb eine andere Geschichte, als es auf den ersten Blick scheint. Nicht die Private Markets verändern ihren Charakter. Vielmehr entwickeln sie eine Infrastruktur, die den Umgang mit ihrer langfristigen Kapitalbindung immer professioneller organisiert.
📌 Fazit:
Friktionen verschwinden selten. Märkte finden Wege, sie wirtschaftlich zu organisieren.
Weiterführende Marktstudien:
Jefferies: 2025 Global Secondary Market Review – Another Record-Breaking Year
Lazard: 2025 Secondary Market Report
Ares: Real Estate Secondary Market Volume Hits Record $20 Billion in 2025