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William Baumol hätte eine Frage zum AI Act gestellt

William Baumol hätte eine Frage zum AI Act gestellt

Mit dem AI Act schafft Europa den weltweit ersten umfassenden Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Doch neben Transparenz, Governance und Aufsicht wirft das Gesetz noch eine andere Frage auf: Verändert es langfristig auch die Wettbewerbsstruktur einer Branche?

Mit dem AI Act erhält künstliche Intelligenz erstmals einen umfassenden regulatorischen Rahmen. Im Finanzsektor übernimmt künftig unter anderem die BaFin die Marktüberwachung. Wer KI professionell einsetzen möchte, wird sich künftig mit Governance, Dokumentation, Transparenz, menschlicher Aufsicht und organisatorischen Verantwortlichkeiten beschäftigen müssen. Der Ablauf künftiger Abschlussprüfungen benötigt dabei nur wenig Vorstellungskraft.

Über die Demokratisierung von Wissen durch künstliche Intelligenz wird derzeit viel gesprochen. Ökonomisch noch interessanter erscheint jedoch ein anderer Effekt: die Demokratisierung von Produktivität. Kleine Teams können heute Analysen erstellen, Verträge prüfen oder Investmentideen entwickeln, für die früher ganze Abteilungen erforderlich waren.

Für das Asset Management wäre das ein bemerkenswerter Wandel. Jahrzehntelang schien Größe selbst ein entscheidender Wettbewerbsvorteil zu sein. Künstliche Intelligenz versprach erstmals, diese Logik aufzubrechen. Denn wenn Technologie die Eintrittsbarrieren eines Marktes senkt, entstehen neue Wettbewerber. Mehr Wettbewerb führt häufig zu mehr Innovation, höherer Produktivität und besseren Angeboten.

Ein Blick auf den AI Act zeigt jedoch, woher eine andere Entwicklung entstehen könnte.

William Baumol hätte eine Frage zum AI Act gestellt

Transparenz, Grundrechtsschutz und menschliche Kontrolle algorithmischer Entscheidungen sind notwendige Voraussetzungen für Vertrauen in regulierten Märkten. Entscheidend wird jedoch ihre praktische Umsetzung. Governance, Dokumentation, Kontrollmechanismen, Schulungen und Human Oversight verursachen Aufwand. Vor allem aber schaffen sie organisatorische Anforderungen, die unabhängig von der Unternehmensgröße zunächst jeden Marktteilnehmer treffen.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf den amerikanischen Ökonomen William Baumol. Ihn interessierte weniger die Frage, wie viele Unternehmen in einem Markt tätig sind. Ihn interessierte vielmehr, wie leicht neue Wettbewerber überhaupt in einen Markt eintreten können. William Baumol hätte vermutlich genau an dieser Stelle seine Frage zum AI Act gestellt.

Das betrifft die eingangs beschriebene Hoffnung, dass künstliche Intelligenz die technologischen Eintrittsbarrieren für neue, kleinere und innovative Asset Manager senken könnte. Aber schafft der AI Act gleichzeitig neue regulatorische Eintrittsbarrieren? Genau hier beginnen die eigentlichen ordnungspolitischen Fragen.

Kaum jemand dürfte ernsthaft bestreiten, dass künstliche Intelligenz in regulierten Märkten nachvollziehbar, transparent und verantwortungsvoll eingesetzt werden muss. Der Nutzen könnte sich jedoch teilweise ins Gegenteil verkehren, wenn regulatorische Organisationspflichten einen Teil jener Wettbewerbseffekte zu stark abschwächen, die künstliche Intelligenz ursprünglich erst ermöglicht.

📌 Die Frage auf den Punkt gebracht lautet deshalb:

Entsteht durch den AI Act ein Markt, in dem die Vorteile künstlicher Intelligenz grundsätzlich allen offenstehen, ihre regulatorische Beherrschung aber am Ende doch wieder vor allem den großen Organisationen gelingt?

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